Rebhuhn in Wildpflanzen

Rebhuhn, wo bist du? Dramatischer Rückgang heimischer Feldvögel

Um viele Vogelarten, wie etwa das Rebhuhn, steht es in Deutschland sehr schlecht. Das ist die Quintessenz der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) nun vorgelegten Studie. „Vögel in Deutschland – Übersichten zur Bestandssituation“ fasst den aktuellen Wissensstand über die Vogelwelt Deutschlands zusammen. Die präsentierten tabellarischen Übersichten sind Bezugsgrundlage für die Bewertung des Erhaltungszustandes und der Gefährdungssituation brütender, überwinternder und durchziehender Vogelarten.

Hier die Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Zwischen 1992 und 2016 sind im Offenland und Wald je fast zwei Millionen Reviere bzw. Brutpaare verloren gegangen, im Siedlungsbereich etwa 2,5 Millionen.
  • Die Lage in der Agrarlandschaft bleibt alarmierend: So nahmen etwa die Bestände von Rebhuhn und Kiebitz über 24 Jahre um fast 90% ab, beim Wiesenpieper sind drei Viertel der Brutpaare verschwunden. Ähnlich dramatisch ist die Entwicklung bei den Feuchtwiesenarten Uferschnepfe und Bekassine sowie dem Braunkehlchen.
  • Einige Arten der Agrarlandschaft sind mittlerweile so selten, dass sie in immer größeren Bereichen unserer Landschaft fehlen, wie z.B. die Turteltaube. Auch die Feldlerche, früher eine „Allerweltsart“ zeigt inzwischen größere Verbreitungslücken.
  • Der Nordosten Deutschlands ist artenreicher als der Westen oder Süden. Hier befinden sich noch regelrechte „Hotspots“ der Biodiversität, die auch viele seltene Vogelarten beherbergen. Die Gründe dafür sind die vielfältigeren Landschaftsstrukturen, die geringere Landnutzungsintensität und die niedrigere menschliche Siedlungsdichte in diesen Regionen.
  • Aber es gibt auch gute Nachrichten: Einige seltene Arten wie Großtrappe, Schwarzstorch oder Wiesenweihe erholten sich weiterhin dank
    gezielt auf sie abgestimmter Artenhilfsprogramme von ihren historischen Bestandstiefs.

Eine jüngst in „Bird Conservation International“ veröffentlichte Studie bestätigt die dramatische Situation der Feldvögel. Als Hauptursache für die starken Rückgänge wird der Verlust von Brachflächen und der gleichzeitige massive Zuwachs des Maisanbaus identifiziert. Auch fehlten extensiv bewirtschaftete Flächen und Strukturelemente wie Hecken oder Ackerrandstreifen.

Ein großes Problem für die Artenvielfalt in unserer Feldflur, nicht nur innerhalb der Vögel, ist die extreme Verarmung der Anbaukulturen. So werden auf knapp der Hälfte der Ackerfläche Deutschlands nur zwei Kulturen, nämlich Winterweizen und Mais angebaut (insgesamt knapp 6,5 Millionen Hektar !). Etwa 900.000 Hektar davon ist Mais für die Biogaserzeugung. Mais ist eine über Jahrzehnte optimierte und dadurch ertragreiche Kulturpflanze. Aber ihr zunehmend intensiver Anbau schadet dem Artenreichtum in unserer Feldflur. Dabei bietet gerade die Biomasseproduktion aber die Möglichkeit, ökologisch wertvolle Mischkulturen anzubauen.

Der Anbau mehrjähriger Wildpflanzenmischungen bietet sich hier als Lösungsansatz an, denn er vereinbart die Produktion von Biomasse für die Bereitstellung erneuerbarer Energie mit einer ökologischen Aufwertung der Flächen. Die Wildpflanzenmischungen bieten Insekten ein lang anhaltendes und vielfältiges Blühangebot, Deckung und Nahrung für Vögel, Fledermäuse und Niederwild – und das über das ganze Jahr. Durch die lediglich einmalige Bodenbearbeitung im ersten Anbaujahr entsteht eine vielfältige Bodenfauna. Daneben zeigen die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen ein hohes Potenzial zur Stickstofffixierung, was sie für den Boden- und Gewässerschutz interessant macht. Gleichzeitig liefern die Wildpflanzen ordentlich Biomasse: Je nach Standort können über 40 t Frischmasse vom Hektar gefahren werden. Der Methanertrag liegt bei etwa 65 % – 70 % des Ertrages von Mais.

Das Projekt „Bunte Biomasse“ der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbandes und der Deutschen Wildtier Stiftung soll einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, den Anbau von pflanzlicher Biomasse als Substrat für Biogasanlagen enger an den Natur- und Artenschutz zu koppeln. Dazu werden deutschlandweit Landwirte und Biogasanlagenbetreiber gesucht, die bereit sind, einen kleinen Teil ihrer Maisanbaufläche durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen zu ersetzen. Die Landwirte erhalten über das Projekt „Bunte Biomasse“ und mit Hilfe regionaler Unterstützer einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos beim Anbau der Bestände und der Ernte des Aufwuchses beraten. Hilfe für die bedrohten Feldvögel und einen bedeutenden Imagegewinn für die Landwirtschaft und ihre lokalen Akteure bietet das Projekt „Bunte Biomasse“ zum Nulltarif.

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Kontakt

Christian Kemnade (c.kemnade@dewist.de/ 040 9707869-43)