Bunt statt grün - im Gespräch über Bunte Biomasse

Energie aus Wildpflanzen soll künftig auch in Baden-Württemberg gefördert werden

In Baden-Württemberg hatte die elobau Stiftung zu einem Webinar rund um die Energieproduktion aus Wildpflanzen eingeladen. Dabei gab es einen vielversprechenden Ausblick: Raimund Haser (MdL) berichtete, dass in Baden-Württemberg ab 2023 über das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum eine Fördermaßnahme für die mehrjährigen Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion geplant ist.

Menschen über Bunte Biomasse

Richtig gesehen: Da steht Olympiasieger Schorsch Hackl mit Sommerhut statt Rodellhelm inmitten Bunter Biomasse. Denn die Wintersportlegende ist Deutschlands Biogasbotschafter Nr. 1 und hatte in der laufenden Aktionswoche der Artenvielfalt des Fachverbandes Biogas viel zu tun. Aus Anlass der Aktionswoche Artenvielfalt hat das Netzwerk Lebensraum Feldflur diverse Akteure rund um den Anbau von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen zur Biogasproduktion in Szene gesetzt.

Das es weit mehr Möglichkeiten zur Biomasseerzeugung als Mais und andere Getreidearten gibt, ist inzwischen auch in Politik und Gesellschaft angekommen. Mehrjährige Wildpflanzenmischungen können den Artenschutz und die Biogaserzeugung vereinen. Die Landwirte, die diese „Bunte Biomasse“ anbauen, leisten einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl: Sie schützen die Biodiversität, den Boden und das Grundwasser. Aber sie verzichten auch auf einen Teil der Erträge im Vergleich zu herkömmlichen Biomassekulturen. Hier ist die Politik gefragt, Anreize für nachhaltigeres Handeln zu setzen. In Niedersachsen hat das bereits geklappt. Und auch in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern soll in den nächsten Jahren eine Förderung über die Agrarprogramme der Länder ermöglicht werden. Darüber hinaus gibt es deutschlandweit mehrere Pilotprojekte wie etwa Bunte Biomasse, die den Anbau fördern. Dennoch werden in Deutschland aktuell nach Schätzungen des Netzwerks Lebensraum Feldflur nur auf rund 1.500 ha mehrjährige Wildpflanzenkulturen angebaut.

Bunte Biomasse live vor Ort erleben

Einladung – Bunte Biomasse live vor Ort erleben

Am Donnerstag, den 22. Juli besuchen die die Präsidenten des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Werner Schwarz und des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein Wolfgang Heins einen Standort des Projektes „Bunte Biomasse“ in Schleswig-Holstein.

Gemeinsam mit dem zuständigen Referenten Ansgar Aundrup (Deutscher Jagdverband e.V.) und dem Betriebsleiter Bruno Hamerich werden sie über das Projekt Bunte Biomasse informieren und eine Anbaufläche für mehrjährige Wildpflanzenkulturen zur Biogaserzeugung zeigen.

Seit dem Frühjahr 2019 setzen die Veolia Stiftung, der Deutsche Jagdverband und die Deutsche Wildtier Stiftung ein erfolgreiches Modell zum Schutz der Biodiversität in den Agrarlandschaften in die Praxis um: Mit dem Kooperationsprojekt „Bunte Biomasse“ soll deutschlandweit Mais durch ertragreiche, mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biogasproduktion ergänzt werden. Dazu engagieren sich Landwirte und Biogasanlagenbetreiber, die einen kleinen Teil ihrer Maisanbaufläche durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen ersetzen.

Die Landwirte erhalten über das Projekt „Bunte Biomasse“ und mit Hilfe regionaler Unterstützer, wie dem Landesjagdverband Schleswig-Holstein e.V. einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos beim Anbau der Bestände und der Ernte des Aufwuchses beraten. Das Projekt wurde im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2020 ausgezeichnet.

Im Anschluss an das Gespräch besteht die Möglichkeit für Pressestatements. Dazu laden wir Sie herzlich ein:

Wann:             Donnerstag, 22. Juli 2021, 11 Uhr

Wo:                 Lindenweg 7, 23623 Böbs-Ahrensbök (Schleswig-Holstein)

Bitte melden Sie sich bis Mittwoch, 21. Juli 2021, 14 Uhr unter info@ljv-sh.de

Und noch ein Tipp für Kurzentschlossene: Am Donnerstag, dem 15.07.2021, findet eine Online-Veranstaltung zum Thema Energie aus Wildpflanzen statt. Hier geht es zur Anmeldung (einfach klicken) 

Aktionswoche Artenvielfalt

Aktionswoche Artenvielfalt – gemeinsam für mehr Biodiversität auf den Feldern

Freising, 12.7.2021. Wie schon zur Premiere 2020 beteiligen sich auch in diesem Jahr zahlreiche Verbände, Firmen und Privatpersonen an der 2. Aktionswoche Artenvielfalt. Gemeinsam wollen die Akteure darauf hinweisen, dass das Spektrum an Energiepflanzen sehr groß ist – und dass viele dieser Pflanzen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und Biodiversität auf den Ackerflächen leisten.

„Grundsätzlich kann so gut wie jede Pflanze in Biogasanlagen vergoren und zu Energie in Form von Strom und Wärme oder Kraftstoff umgewandelt werden“, erklärt der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide. Der Unterschied liege allein in der Gasausbeute und damit letztendlich im Einkommen des Betreibers. Von einem Hektar Wildpflanzen beispielsweise könne in einer Biogasanlage nur etwa die Hälfte der Strommenge generiert werden wie von einem Hektar Mais. Dennoch sieht der Verbandspräsident im Anbau alternativer Energiepflanzen eine große Chance – sowohl für die Artenvielfalt auf den Ackerflächen als auch für die Zukunft der Biogasbranche.

Artenreiche Energiepflanzenfelder wünscht sich auch Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Und er fordert schnelles Handeln. „Das Rebhuhn als typischer Bewohner der Feldflur ist seit 1980 europaweit um 94 % zurückgegangen“, mahnt Kinser. Er schätzt, dass auf den knapp 12 Mio. Hektar Ackerfläche in Deutschland gerade einmal 1.500 Hektar Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion angebaut werden. Mit bunter Biomasse als Teil des landwirtschaftlichen Mainstreams könne jedoch eine Trendwende beim Artenrückgang in der Feldflur gelingen.

Gut 200 Hektar dieser Wildpflanzenflächen stammen von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim (LWG). Die dortige Wildpflanzenspezialistin Kornelia Marzini erklärt: „Die Herausforderung besteht darin, eine Mischung zu finden, die sowohl an den Klimawandel angepasst ist, eine hohe Biodiversität garantiert und zudem ausreichend Ertrag für die Biogasanlage generiert.“ Die Veitshöchheimer Mischung erfülle diese Anforderungen seit 2014 und sei u.a. vom BUND und dem Bauernverband anerkannt.

Das späte Erntefenster ab Mitte Juli ermögliche den Vögeln ein erfolgreiches Brutgeschäft. Untersuchungen hätten ergeben, dass bedrohte Arten wie die Braun-, Schwarz- und Blaukehlchen in den Blühflächen vorkommen und die Brutreviere über die Jahre immer weiter zunehmen, berichtet Marzini. Die Basis hierfür sei eine ausreichend große Insektennahrung. Bei Untersuchungen mit einem Insektensauger wurden auf den Blühflächen in einer Viertelstunde 225 verschiedene Insektenarten festgestellt – was selbst renommierte Biologen verblüfft habe.

Für den dreifachen Rodel-Olympiasieger Georg Hackl ist der Klima- und Umweltschutz eine Herzensangelegenheit: „Als Wintersportler merkt man ganz massiv die Auswirkungen des Klimawandels. Ich sehe in der Biogasnutzung eine große Chance, dem entgegenzuwirken – ganz besonders, wenn der Anbau der Energiepflanzen auch noch Artenvielfalt und Insektenschutz mit sich bringt.“

„Mit Biogas haben wir die Chance, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen“, resümiert der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide. Und er weiß, dass viele Betreiber von Biogasanlagen bereit sind, alternative Energiepflanzen anzubauen. Wichtig sei aber ein Ausgleich der finanziellen Nachteile, die der Anbau bunter Blumenwiesen für den Landwirt bedeuten. „Bei uns in Niedersachsen regelt seit diesem Sommer die Förderrichtlinie „Mehrjähriger Wildpflanzenanbau“ die finanzielle Unterstützung. Bis zu 500 Euro pro Hektar gibt es für den Anbau von Blühpflanzen. Das ist ein realistischer Ansatz und ein gutes Beispiel für andere Bundesländer“, sagt Seide. Und auch auf Bundesebene bestehe über eine geeignete Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik die Chance, den Ausbau alternativer Energiepflanzen anzureizen.

Weitere Informationen zur Aktionswoche Artenvielfalt finden sie hier und in den sozialen Medien unter dem Hashtag #blühendesLeben.

Im Rahmen der Aktionswoche Artenvielfalt sind bislang zwei von vier Kurzfilmen mit dem Hackl Schorsch erschienen: „Die Imkerin“ und „Der Jäger

 

 

Bunt statt grün Wildpflanzenevent

„Bunt statt grün“ – jetzt anmelden zum digitalen Wildpflanzenevent am 15.07.2021

Mehrjährige Wildpflanzenkulturen führen in der Biogaserzeugung derzeit eher noch ein Schattendasein. Dabei bietet dieses innovative Anbausystem, bestehend aus mindestens 25 verschiedenen Arten, wertvollen Lebensraum für Tiere und Insekten und kann einen wichtigen Beitrag zum Boden- und Grundwasserschutz leisten.

Die elobau Stiftung, die AG Wildpflanzenbiogas, der Landschaftserhaltungsverband Ravensburg und der Fachverband Biogas laden zu einer Onlineveranstaltung ein, um diesen ökologischen Beitrag zur Energiewende aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und haben für das 75-minütige Webinar spannende Gäste eingeladen:

Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands erneuerbare Energie e.V.
Georg Hackl, Olympiasieger im Rodeln und Biogasbotschafter
Werner Kuhn, Landwirt und Wildpflanzenexperte
Raimund Haser, MdL Baden-Württemberg und Sprecher des AK Umwelt, Klima und Landwirtschaft
Markus Frick, Biogaslandwirt und weitere mehr …
Moderation Peter Aulmann, elobau Stiftung

Hier gelangen Sie zu einer Videoaufzeichnung der Veranstaltung

Das live-Webinar findet am 15.7.21 um 19:30 Uhr statt.
Hier gehts zur kostenfreien Anmeldung:
https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_XS1ZvqkSRB-CXoDFrtuthg

Hier gelangen Sie zur Einladung des Wildpflanzenevents im PDF Format

 

Johann Högemann auf Wildpflanzenfeld zur Biomasseproduktion

Wildpflanzen statt Mais im Weserbergland

Anbau von Wildpflanzen und Vernetzung lokaler Akteure soll zu mehr Artenvielfalt bei der Biogasproduktion führen

Am 2. Juli 2020 trafen sich Landwirte, Journalisten und weitere Interessierte in Aerzen im Weserbergland, um sich über das Konzept mehrjähriger Wildpflanzen zur Biomasseproduktion zu informieren. Auf dem Betrieb von Jörg und Christian Pape konnten die Teilnehmenden nicht nur alles rund um den theoretischen Hintergrund des innovativen Anbausystems erfahren, sondern auch direkt eine Praxisfläche mit den in Blüte stehenden Wild- und Kulturpflanzenmischungen begehen. Die Fläche hatte Betriebsinhaber Pape im letzten Jahr im Rahmen des Projektes Bunte Biomasse angesät.

Johann Högemann, Fachberater für Acker-und Pflanzenbau, begeisterte die Anwesenden für die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen, die je nach Standortgüte 9 bis 14 Tonnen Trockenmasse pro Hektar liefern können. Zwar kommen die Mischungen nicht an den Mais heran, sie liefern nur etwa 65 Prozent des Methanertrags. Dafür haben Sie aber zahlreiche ökologische Vorteile: Sie bieten nicht nur Insekten und Wildtieren einen Lebensraum, sondern schützen auch den Boden und das Grundwasser.

Anberaumt hatten das Treffen das Netzwerk Lebensraum Feldflur, der Fachverband Biogas e. V., der Landesverband der Maschinenringe e. V. und der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachen-Bremen e. V. Durch die Vernetzung lokaler Akteure soll der Anbau und die Ernte mehrjähriger, ertragreicher Wildpflanzenmischungen sowie die Abnahme der Biomasse in eine nahe gelegene Biogasanlage erleichtert werden. Denn auch Landwirte ohne eigene Biogasanlage oder nur mit kleinen zur Verfügung stehenden Flächen sollen die heimischen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen anbauen können.

„Besonders auch kleinere, in der Landschaft verteilte Wildpflanzenflächen können eine hohe ökologische Wirkung erzielen. Die Veranstaltung war ein erfolgreicher Anfang, um die Wildpflanzen auch in Südniedersachsen vermehrt auf die Fläche zu bringen“, sagte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung, die das Netzwerk Lebensraum Feldflur koordiniert im Nachgang der Veranstaltung. Gleichzeitig sei aber die Politik gefragt, dieses ökologisch wertvolle Anbausystem für Landwirte attraktiv zu machen“, so Kinser weiter. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hat seine Forderungen dazu unter dieser Rubrik zusammengefasst.

Über das Treffen in Aerzen wurde auch in der Presse berichtet, s. hier

Aktionswoche Artenvielfalt - Wildpflanzen als Biogassubstrat schützen Bienen und Bauern

Alternative Energiepflanzen helfen Bienen und Bauern – Deutscher Imkerbund beteiligt sich an Aktionswoche Artenvielfalt

Artenvielfalt und Biogas sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: die Biogasnutzung bietet die große Chance, dass unsere Felder langfristig wieder bunter und artenreicher werden und gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für unsere Wildtiere und Insekten geschaffen wird. Genau das will der Fachverband Biogas e.V. in der Aktionswoche Artenvielfalt gemeinsam mit vielen anderen Verbänden und Organisationen in diesem Jahr vom 29. Juni bis 3. Juli deutlich machen.

Auch der Deutsche Imkerbund e.V. (D.I.B.), mit rund 128.000 organisierten Imker*innen der mitgliederstärkste europäische Bienenzüchterverband, beteiligt sich an der Aktion, die unter dem Motto #blühendesleben steht.

Lange hat sich die Landwirtschaft auf ausgewählte Einzelkulturen, hier vorrangig Mais, zur Biomassegewinnung fixiert. Dabei sind abwechslungsreiche Fruchtfolgen nicht nur ökologisch die bessere Wahl. D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann merkt an: „Biogas ist nicht gleichbedeutend mit Maisanbau, denn dieser liefert unseren Bienen keinen Nektar und nur in geringem Maße Pollen. Es gibt eine ganze Reihe alternativer Energiepflanzen, deren Anbau nicht nur eine lebensnotwendige Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen ist und die Biodiversität fördert, sondern Landwirten Nachhaltigkeit, Bodenfruchtbarkeit und gute Erträge garantiert.“

Seit vielen Jahren setzt sich der D.I.B. für die Nahrungsverbesserung von Blüten besuchenden Insekten ein. Denn besonders in den Monaten Juli bis September finden diese im ländlichen Raum durch geänderte Flächennutzung zu wenig vielfältige, pollen- und nektarreiche Nahrung. „Für Wildbienen stellen diese Trachtlücken eine existenzielle Bedrohung dar. Den Honigbienen können wir Imker mit einer Zufütterung helfen – die Pollenarmut und die damit fehlende Eiweißversorgung lässt sich dadurch aber nicht ausgleichen“, erklärt Ellmann.

Man sucht deshalb nach geeigneten Pflanzen, die nicht nur Blüten besuchenden Insekten Nahrung verschaffen, sondern deren Anbau auch für Energiewirte wirtschaftlich ist. „Wir wissen, dass Landwirte von ihren Erträgen leben müssen. Deshalb sind solche Alternativen am geeignetsten, die beiden Seiten helfen“, sagt Ellmann.

Schon lange sind Wildpflanzenmischungen in erfolgreicher Erprobung. Sie zeichnen sich durch eine besonders hohe ökologische Bilanz aufgrund der Mehrjährigkeit und der Artenvielfalt aus. Sie verbessern aufgrund der langen Blühzeit nicht nur das Habitatangebot für Wildbienen und die Nahrungssituation für eine Vielzahl von Insekten, sondern bieten sowohl im Sommer als auch im Winter Nahrung und Deckung für Niederwild, Singvögel und Kleinsäuger. Aufgrund der klimatischen Veränderungen werden auch spätblühende, trockenresistente „Prärie-Pflanzen“, wie z. B. Sonnenhut und Sonnenbraut, immer interessanter, die auch bei geringem Niederschlag wachsen und Nektar und Pollen liefern.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim geht im Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ bereits seit 2008 der Frage nach, ob neben dem hohen ökologischen Wert Wildpflanzen als Energielieferanten auch eine ökonomische Alternative für den Biogasanlagenbetreiber darstellen. Betrachtet man allein den Methanhektarertrag, so können Wildpflanzen nicht mit Mais konkurrieren, da dieser in kurzer Zeit erheblich mehr Biomasse bildet. Auch sind Wirtschaftlichkeitsberechnungen standortabhängig unterschiedlich zu bewerten. Fest steht aber, dass bei Wildpflanzenmischungen auf chemische Pflanzenschutzmittel weitestgehend verzichtet werden kann und ab dem zweiten Standjahr keine mechanische Bodenbearbeitung mehr durchgeführt werden muss. Außerdem verbessert die ganzjährige Bewurzelung des Oberbodens die Humusbilanz, der Bodenabtrag durch Erosion und die Bodenverdichtung werden reduziert und die Bodenfeuchte gehalten. Mehrjährige Wildpflanzenkulturen bieten zudem ein hohes Potential zur Stickstoffbindung. Daneben werten die Blühpflanzen das Landschaftsbild auf und ermöglichen einen Imagegewinn für die Landwirtschaft.

Ellmann: „Trägt ein Landwirt zum Naturschutz und Artenerhalt bei, so ist dies eine öffentliche Leistung, die honoriert werden sollte. Eine solche Förderung würde Ertragsverluste, die durch derartige, umweltschonende Anbausysteme entstehen, ausgleichen. Dies ist eine Forderung in unserem Positionspapier zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik.“

Artenvielfalt - Gartenhummel (Bombus hortorum) auf Wildpflanzenacker zur Biogasproduktion

Aktionswoche Artenvielfalt – passen Biogas und Biodiversität zusammen?

Biogas und Artenvielfalt – passt das zusammen?

Diese Frage würden viele Menschen spontan wahrscheinlich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Denn in den meisten Köpfen hängt die Biogasproduktion untrennbar mit dem Anbau ökologisch wenig wertiger Monokulturen zusammen, man denke nur an den omnipräsenten Begriff der „Vermaisung“ der Landschaft. Wenn man in Betracht zieht, dass auf rund einer Million Hektar in Deutschland Mais für die Biomasseproduktion angebaut wird, scheint diese Annahme durchaus gerechtfertigt.

Doch die Bereitstellung von erneuerbarer Energie durch Biogasanlagen muss nicht zwangsläufig durch intensive Monokulturen erfolgen. Es gibt inzwischen zahlreiche Alternativen. Die ökologisch wertvollste Art der Biomasseproduktion eröffnet dabei die Nutzung mehrjähriger heimischer Wild- und Kulturpflanzenmischungen. Diese Mischungen liefern nicht nur einen ordentlichen Biomasseertrag, sondern sie haben gegenüber herkömmlichen Kulturen auch unzählige ökologische Vorteile. Sie bieten Insekten Nahrung und einen Lebensraum und auch Vögel und Säugetiere profitieren von den mehrjährigen Wildpflanzenflächen, denn Sie finden hier nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter Deckung und Nahrung. Gleichzeitig stärkt die mehrjährige Bodenruhe, die Wildpflanzenmischungen können nach der einmaligen Ansaat bis zu fünf Jahre beerntet werden, die Bodenfauna. Darüber hinaus sorgt der weitgehende Verzicht auf Pflanzenschutzmittel für eine reiche Artenvielfalt auf den Flächen.

Dass die Produktion von Biogas mit den Zielen des Arten- und Naturschutzes durchaus vereinbar ist, soll auch durch das deutschlandweit größte Projekt zur Etablierung mehrjähriger Wildpflanzenmischungen gezeigt werden. Das Gemeinschaftsvorhaben Bunte Biomasse der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbands e. V. und der Deutschen Wildtier Stiftung soll die Wildpflanzen deutschlandweit auf den Acker bringen. Die teilnehmenden Landwirte werden dabei kostenfrei von erfahrenen Experten beraten und erhalten unbürokratisch eine Ausgleichszahlung, denn die Wildpflanzen kommen nur auf rund 65 % der Methanausbeute der über Jahrzehnte optimierten Maiskulturen. Das Projekt findet deutschlandweit großen Anklang in der Landwirtschaft, im Naturschutz und der Jägerschaft.

Aktionswoche Artenvielfalt

Um darauf aufmerksam zu machen, dass die Produktion von Biomasse zur Biogasproduktion auch Hand in Hand mit dem Erhalt der Artenvielfalt gehen kann, hat der Fachverband Biogas vom 29. Juni bis zum 03. Juli 2020 die Aktionswoche Artenvielfalt ausgerufen. Über eigene Veranstaltungen und die sozialen Medien können sich Menschen deutschlandweit einbringen (#blühendesleben und #Biogas2030): Gefragt sind hier persönliche Erfahrungen und Aktionen zu alternativen Biogaskulturen sowie die Äußerung von Wünschen und Forderungen an die Politik.

Das Netzwerk Lebensraum Feldflur fordert, dass die politischen Entscheider für den Anbau der mehrjährigen Wildpflanzen zur Biogasproduktion Anreize schaffen, sodass sich dieses innovative und ökologisch wertvolle Anbausystem auf größerer Fläche etablieren kann. Denkbar wäre hier etwa eine Förderung im Rahmen des Greenings (wie bereits geschehen für die Durchwachsene Silphie), eine Aufnahme in die ländlichen Förderprogramme der Länder oder eine Förderung durch die EEG-Umlage. So könnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Eine erneuerbare, nicht fossile Energiegewinnung und der Schutz der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.

Aktionswoche Artenvielfalt Fachverband Biogas