Hier wachsen Wildpflanzen für die Biomasseporduktion

Hier wachsen Wildpflanzen für die Biogasproduktion – neue Übersichtskarte

Mehrjährige und ertragreiche Wildpflanzenmischungen sind ein innovatives Anbaumodell, dass die Biogasproduktion enger mit dem Natur- und Artenschutz verknüpfen kann. Die artenreichen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen produzieren nicht nur ordenltich Biomasse, sondern bringen mehr Vielfalt in die Fläche und schützen durch Ihre mehrjährige Standzeit auch Boden und Grundwasser. Daneben erfreuen die lang blühenden Saatmischungen auch das menschliche Auge und werten das Landschaftsbild auf.

Auf der Homepage des Netzwerks Lebensraum Feldlfur ist nun eine aktuelle Übersichtskarte mit bekannten Wildpflanzenflächen veröffentlicht worden, die in Deutschland für die Biomasseproduktion angebaut werden (einfach hier klicken und etwas herunter scrollen). In den verschiedenen Farben sind die unterschiedlichen Projekte markiert, die zur Zeit den Anbau mehrjähriger, artenreicher Wildpflanzenmischungen voranbringen. Insgesamt kommen so rund 500 Hektar zusammen, auf denen eine ökologisch wertvolle Biomasseproduktion stattfindet. Das deutschlandwiet größte Projekt ist dabei „Bunte Biomasse„. Zu diesen Flächen kommen natürlich noch viele weitere Standorte, die von engagierten Landwirtinnnen und Landwirten projektunabhängig angelegt wurden. Nach Schätzungen des Netzwerks Lebensraum Feldflur werden in Deutschland aktuell auf über 2.000 Hektar mehrjährige Wildpflanzenmischungen angebaut. Um auf größerer Fläche Fuß zu fassen, müsste die Politik dieses förderwürdige Anbausystem in die Agrarpolitik integrieren, beispielsweise als Agrarumwelt und Klimamaßnahme oder künftige Öko-Regelung (Eco Schemes). Vorschläge des Netzwerks dazu finden Sie hier.

Wenn Sie eine Fläche besuchen möchten oder Fragen haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf – unter C.Kemnade@DeWiSt.de oder direkt über die Verlinkung innerhalb der Karte zu den verantwortlichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern. Falls Sie Kontakt zu weiteren „Wildpflanzen-Projekten“ haben oder Ihre eigenen Flächen auf der Karte zeigen möchten, nehmen Sie ebenfalls gerne Kontakt auf.

Bunte Biomasse erhält UN Dekade Auszeichnung durch Beate Jessel

Projekt „Bunte Biomasse“ erhält Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Anlässlich des Europäischen Tags der Bioenergie am 13. November wird das Projekt „Bunte Biomasse“ als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. „Das Projekt ,Bunte Biomasse‘ verfolgt einen vorbildlichen Ansatz: Denn es fördert die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft, indem es Monokulturen wie Mais durch artenreiche, mehrjährige Wildpflanzenmischungen ersetzt“, sagt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), die die Auszeichnung auf digitalem Weg überreicht. „Das Projekt zeigt auch, dass Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd im direkten Wortsinn äußerst fruchtbar sein können“, so Jessel weiter.

Seit Frühjahr 2019 setzen die Veolia Stiftung, der Deutsche Jagdverband und die Deutsche Wildtier Stiftung das Kooperationsprojekt „Bunte Biomasse“ um. Dazu werden Landwirte und Landwirtinnen und Biogasanlagenbetreibende gesucht, die bereit sind, einen Teil ihrer Maisanbaufläche durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen zu ersetzen. Die Landwirte und Landwirtinnen erhalten über das Projekt und mit Hilfe weiterer Finanzierender einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos beim Anbau der Bestände und der Ernte des Aufwuchses beraten. „Wer mitmacht, bekommt von uns ein Stück Biologische Vielfalt zum Nulltarif“, sagt Sylke Freudenthal, Vorstand der Veolia Stiftung.

Bereits mehr als 400 Hektar mehrjährige, ertragreiche Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion haben die Projektpartnerinnen und -partner unter Vertrag genommen. Die Bestände aus über 20 heimischen Wild- und Kulturpflanzenarten können bis zu fünf Jahre lang geerntet werden und bieten im Sommer wie Winter Insekten, Feldvögeln und Niederwild Lebensraum. Um das Pilotprojekt jedoch in den landwirtschaftlichen Mainstream zu überführen, ist die Politik gefragt: Da die Wildpflanzenbestände weniger Ertrag im Vergleich zu herkömmlichen Kulturen wie Mais liefern, braucht es eine Förderung – etwa über die geplanten Öko-Regelungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. „Die Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt hilft uns, das Thema weiter in den Fokus der Öffentlichkeit und damit auch der Politik zu rücken“, freut sich Sylke Freudenthal.

Weitere Informationen auf www.BunteBiomasse.de 

WBGU fordert Anpassung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU

WBGU: Gemeinsame Agrarpolitik der EU muss sich ändern, um Artenvielfalt zu retten

Gemeinsame Agrarpolitik der EU – aktueller Stand und Forderung des WBGU

Am Dienstag, dem 03.11.2020, überreichte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) sein neues Gutachten „Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration“ an die Bundesministerinnen Svenja Schulze (Umwelt) und Anja Karliczek (Bildung und Forschung). Die Botschaft des rund 350 Seiten umfassenden Berichtes ist deutlich: Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend ändert, kann der dramatische, weltweite Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und der Klimaschutz gesichert werden.

Dabei spielt die Landwirtschaft eine entscheidende Rolle. In Deutschland wird auf rund der Hälfte der Landesfläche Landwirtschaft betrieben. Noch vor einigen Jahrzehnten war die Agrarlandschaft ein artenreicher Lebensraum, doch heute sind zahlreiche der typischen Arten der Feldflur, wie etwa Feldhamster, Rebhuhn und Co., vielerorts verschwunden. Die Gründe dafür sind zahlreich. Klar ist aber, dass die Veränderungen in der Agrarlandschaft ursächlich sind. Und an diesen Veränderungen ist die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union maßgeblich beteiligt. Aktuell wird über die GAP Förderperiode 2021-2027 verhandelt.  Vor rund zwei Wochen einigte sich der Agrarministerrat auf einen Kompromiss, Agrarministerin Klöckner sprach von einem „Systemwechsel“. Kritiker sehen einen solchen Durchbruch nicht, bedauern „Stillstand“. Im nächsten Schritt verhandeln nun der Agrarministerrat, das EU-Parlament und die EU-Kommission über die Zukunft der GAP. Dieser Prozess, der sogenannte „Trilog“, wird sich wahrscheinlich bis ins Frühjahr 2021 hinziehen.

Die klare Botschaft des WBGU: es bedarf einer umfassenden Ökologisierung der Agrarpolitik, um auch langfristig die Ernährungssicherheit, den Erhalt der Biodiversität und den Klimaschutz gewährleisten zu können. Damit steht der wissenschaftliche Beirat nicht allein, denn auch zahlreiche andere Expertinnen und Experten fordern eine Kehrtwende. Die Nationalen Empfehlungen der Leopoldina Akademie verorten den wichtigsten Ansatzpunkt bei den milliardenschweren Subventionszahlungen im Rahmen der GAP. Diese sollten zukünftig stärker an tatsächlich erbrachte und messbare Ökosystemleistungen, wie den Erhalt der Artenvielfalt, geknüpft werden.

Förderung für Biogas aus Wildpflanzen?

Fest steht, dass sich Einiges an der Architektur der GAP ändern wird. So werden in der kommenden Förderperiode sogenannte Eco Schemes (Öko-Regelungen) in der 1. Säule der GAP verankert werden. Mindestens 20 % der Direktzahlungen sollen dafür reserviert werden. Die Eco-Schemes sollen zu 100 % aus EU-Mitteln finanziert werden. Bei ihrer Ausgestaltung aber soll den Mitgliedsstaaten quasi freie Hand gelassen werden. Als neues Instrument sollen sie Landwirte dabei unterstützen, neue Praktiken zu entwickeln und ökologisch nachhaltiger zu wirtschaften. Falls, wie in dem aktualisierten Bericht „Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 – Grüne Architektur“ vorgeschlagen, eine „grundsätzliche Möglichkeit, die Maßnahmen als Öko-Regelung auch mehrere Jahre auf derselben Fläche durchzuführen, um u. a. ihre Wirksamkeit zu steigern“ nachgekommen wird, wäre damit eine indirekte Förderung mehrjähriger Maßnahmen durchaus denkbar. Dann stünde prinzipiell auch der Förderung des Anbaus mehrjähriger Wildpflanzen zur Biomasseproduktion über die Öko-Regelungen nichts entgegen.

Eine andere Möglichkeit, das ökologisch wertvolle und innovative Anbausystem „Bunter Biomasse“ in die breite landwirtschaftliche Praxis zu heben, wäre eine Einbettung in die „erweiterte Konditionalität“. Diese erweiterte oder neue Konditionalität wird neben den bisherigen Cross-compliance Regelungen auch das Greening + enthalten. Um den Forderungen des WBGU und zahlreicher anderer Expertinnen und Experten gerecht zu werden und die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu stärken, wäre die Förderung ertragreicher, mehrjähriger Wildpflanzenmischungen ein effektives Werkzeug. Und nicht nur Insekten und Wildtiere würden davon profitieren, denn die über bis zu fünf Jahre stehenden Wildpflanzenbestände schützen auch Boden und Grundwasser und damit die Lebensgrundlage aller Lebewesen, auch der Menschen.

Das gesamte Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen gibt es hier.

Hier geht es zur Kurzfassung des Gutachtens.

Hier geht es zur offiziellen Presseerklärung. 

aktuelle und künftige Architektur der GAP der EU

Bunte Biomasse (Foto: C.Kemnade)

Hier blüht Bunte Biomasse – neue Übersichtskarte

Um zu sehen, wo die Praxisflächen des Projektes Bunte Biomasse seit dem Start des Vorhabens im letzten Jahr angesät wurden, können Interessierte nun auf einer Karte die Standorte einsehen. Auf der Projektwebseite (einfach hier zum Weiterleiten klicken) sind die Bunte Biomasse Flächen markiert.

Das Projekt Bunte Biomasse, ein Verbundvorhaben der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbands und der Deutschen Wildtier Stiftung, startete im April 2019 – in der kurzen Projektlaufzeit konnten bereits mehr als 370 Hektar Wildpflanzen in acht Bundesländern für die Biomasseproduktion angesät werden. Die Schwerpunkte liegen aktuell in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber in diesem Jahr konnten etwa auch in Sachsen und Brandenburg neue Bunte Biomasse Flächen etabliert werden.

Durch das innovative Anbaumodell soll die Biogasproduktion enger mit dem Natur- und Artenschutz verknüpft werden. Die artenreichen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen bringen mehr Vielfalt in die Fläche und schützen durch Ihre mehrjährige Standzeit auch Boden und Grundwasser. Daneben erfreuen die lang blühenden Saatmischungen auch das menschliche Auge und werten das Landschaftsbild auf.

Sie möchten eine der Flächen besuchen, um Bunte Biomasse in der Praxis kennen zu lernen oder möchten sich am Projekt beteiligen? Weitere Informationen finden Sie hier.

Bunte Biomasse blüht in Hessen

Bunte Biomasse bringt jetzt auch Hessen zum Blühen

Bunte Biomasse – auf seinem Acker in unmittelbarer Nähe des Nationalparkeingangs Kellerwald Edersee hat Michael Bischoff Wildpflanzen angebaut, die für die Biogasproduktion bestimmt sind.

Nach Auskunft von Werner Kuhn vom Netzwerk Lebensraum Feldflur, gilt Bischoff als Pionier in Hessen: „Weil er sich für die Aussaat heimischer Wildpflanzen und Kulturarten als nachwachsende Energieträger entschieden hat.“

Eher durch Zufall sei er auf den Anbau von Wildpflanzen für die Biomasseproduktion aufmerksam geworden, berichtet Michael Bischoff, der als Geschäftsführer seines Dienstleistungsunternehmens in Malsfeld arbeitet und dort lebt. „Ein Berufsjäger aus Niedersachsen, in dessen Auftrag ich in der Rehkitzrettung aus der Luft im Einsatz war, brachte mich auf die Idee.“ Für das Wildpflanzen-Projekt habe er dann auch andere begeistern können, erzählt der passionierte Jäger. Dazu zählt Kai Döhring aus Altwildungen, der mit einem Kompagnon eine Biogasanlage betreibt. „Diese Art der Biomasse-Erzeugung bietet eine Menge Vorteile für den Menschen und die Natur. Ich denke da in erster Linie an den Arten- und Landschaftsschutz. Denn nicht nur Insekten und Vögel profitieren von den Wildpflanzen, sondern auch eine Reihe anderer Tierarten wie der Feldhase oder das Reh.“ Weitere Vorteile seien der Erosions- und Grundwasserschutz, weil auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet werden könne, ergänzt Michael Bischoff. Biomasse sei ein wichtiger Baustein der Energiegewinnung, erklärte Werner Kuhn vom Netzwerk Lebensraum Feldflur beim Ortstermin in Mehlen. Wenngleich der Anbau von Energiemais wegen seines hohen Biogasertrags derzeit immer noch die erste Wahl sei. Kuhn erinnerte an die Zeit nach dem beschlossenen Atomausstieg und die damals hochgelobten Anfänge der Biomasseproduktion. „Heute müssen wir uns mit dem Vorwurf vermaister Landschaften auseinandersetzen. Darum wollen wir gemeinsam Wege aufzeigen, wie die Energieerzeugung aus Biomasse enger mit dem Arten- und Naturschutz verknüpft werden kann.“ Ziel des Netzwerks Lebensraum Feldflur, das sich aus Akteuren der Jagd, Naturschutz, Bienenhaltung und Energiewirtschaft zusammensetzt, sei es eine ökologisch und ökonomisch tragfähige Ergänzung zu konventionellen Energiepflanzen in der Landwirtschaft zu etablieren. Michael Bischoff habe mit der Saat artenreicher Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen einen wichtigen Beitrag für das Pilotprojekt Bunte Biomasse geleistet. Das Anbausystem solle deutschlandweit auf möglichst vielen Flächen angewendet werden und sich in der landwirtschaftlichen Praxis dauerhaft etablieren, erklärte Werner Kuhn. Dazu sei aber nicht zuletzt die Politik gefragt, um fernab von Initiativen wie Bunte Biomasse langfristige Förderinstrumente im Rahmen der Agrarpolitik bereitzustellen.

Den gesamten Artikel finden Sie hier 

unte Biomasse: Lokale Unterstützung für mehr Artenvielfalt in Lingen

Bunte Biomasse: Lokale Unterstützung für mehr Artenvielfalt in Lingen

Lingen blüht auf – mithilfe lokaler Unterstützer können im Süden des Emslands artenreiche Wildpflanzenmischungen angesät werden. Doch die Wildpflanzen sollen nicht nur Blühen und gut aussehen, sie werden auch geerntet. Denn die Mischungen aus über 20 heimischen Arten liefern ordentlich Biomasse, die zur Biogasgewinnung genutzt werden kann. Das innovative Anbausystem kann über mehrere Jahre beerntet werden und hat zahlreiche ökologische Vorteile für Insekten, Vögel und viele weitere Bewohner unserer Agrarlandschaft. Und daneben schont es Böden und auch Grundwasser.

Durch das Pilotprojekt Bunte Biomasse soll das Anbausystem deutschlandweit auf möglichst vielen Flächen angebaut werden und sich so in der landwirtschaftlichen Praxis etablieren. Da die Wildpflanzen bei all ihren ökologischen Vorzügen weniger Biomasse als herkömmliche Energiepflanzen liefern, erhalten die teilnehmenden Landwirte einen finanziellen Ausgleich. Doch die Projektmittel sind begrenzt und die Nachfrage aus Landwirtschaft und Naturschutz enorm.

In Lingen haben sich daher lokale Akteure zusammengetan und mit mehreren Spenden dazu beigetragen, dass 10 Hektar (1 Hektar= 10.000 Quadratmeter!) über die nächsten Jahre erblühen können. Die Spenden kommen vom Verband Wohneigentum – Kreisgruppe Lingen, Ulrich Schumacher und dem Gartenfachmarkt Klukkert. Nicht zu vergessen ist auch das Engagement von Johann Högemann, der die Landwirte als Experte zu allen praktischen Fragen rund um das Thema Energie aus Wildpflanzen berät.

Eine tolle Initiative, die hoffentlich zahlreiche Nachahmer findet!

Über das lokale Engagement wurde auch in der Presse berichtet

Bunte Biomasse Kooperation in Paderborn

Bunte Biomasse: Neue Kooperation in Paderborn

Der Landkreis Paderborn fördert den Anbau von 50 Hektar mehrjähriger Wildpflanzen zur Biomasseproduktion über drei Jahre. Deutschlandweit sollen durch das Projekt Bunte Biomasse bis 2024 insgesamt 500 Hektar des innovativen Anbausystems angelegt werden.

Das Projekt Bunte Biomasse wächst weiter: Der Landkreis Paderborn stellt jetzt Gelder bereit, damit 50 Hektar mehrjährige, ertragreiche Wildpflanzenmischungen für die Biogasproduktion angebaut werden. Teilnehmende Landwirte aus dem Kreis Paderborn erhalten eine Ausgleichszahlung in Höhe von 250 € pro Jahr und Hektar, um den geringeren Biogas-Ertrag der Wildpflanzen gegenüber Mais zu kompensieren. Die Laufzeit beträgt drei Jahre.

Insgesamt wollen Veolia Stiftung, Deutsche Wildtier Stiftung und Deutscher Jagdverband gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bis 2024 deutschlandweit 500 Hektar Mais ersetzen. Seit dem Startjahr 2019 haben schon 90 landwirtschaftliche Betriebe in sechs Bundesländern insgesamt mehr als 300 Hektar Bunte Biomasse angelegt. Davon profitieren Insekten und Feldvögel gleichermaßen. Unternehmen wie Fendt, Sauer & Sohn, Jägerschaften, Kommunen sowie Einzelpersonen haben Geld zur Verfügung gestellt. Die Nachfrage von Landwirten ist weiterhin groß, Mais für die Biogas-Produktion durch Wildpflanzen zu ersetzen, teilt der Deutsche Jagdverband mit.

„Mit dem Anbau der artenreichen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen kann die Produktion von Biomasse und damit einer erneuerbaren Energieversorgung enger mit den Zielen des Natur- und Artenschutzes verzahnt werden“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung, die das Projekt Bunte Biomasse deutschlandweit koordiniert. „Wir sind sehr froh, in Paderborn starke Partner gefunden zu haben, die das Projekt unterstützen.“

Den kompletten Artikel von Hinrich Neumann auf topagrarONLINE finden Sie hier 

Johann Högemann auf Wildpflanzenfeld zur Biomasseproduktion

Wildpflanzen statt Mais im Weserbergland

Anbau von Wildpflanzen und Vernetzung lokaler Akteure soll zu mehr Artenvielfalt bei der Biogasproduktion führen

Am 2. Juli 2020 trafen sich Landwirte, Journalisten und weitere Interessierte in Aerzen im Weserbergland, um sich über das Konzept mehrjähriger Wildpflanzen zur Biomasseproduktion zu informieren. Auf dem Betrieb von Jörg und Christian Pape konnten die Teilnehmenden nicht nur alles rund um den theoretischen Hintergrund des innovativen Anbausystems erfahren, sondern auch direkt eine Praxisfläche mit den in Blüte stehenden Wild- und Kulturpflanzenmischungen begehen. Die Fläche hatte Betriebsinhaber Pape im letzten Jahr im Rahmen des Projektes Bunte Biomasse angesät.

Johann Högemann, Fachberater für Acker-und Pflanzenbau, begeisterte die Anwesenden für die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen, die je nach Standortgüte 9 bis 14 Tonnen Trockenmasse pro Hektar liefern können. Zwar kommen die Mischungen nicht an den Mais heran, sie liefern nur etwa 65 Prozent des Methanertrags. Dafür haben Sie aber zahlreiche ökologische Vorteile: Sie bieten nicht nur Insekten und Wildtieren einen Lebensraum, sondern schützen auch den Boden und das Grundwasser.

Anberaumt hatten das Treffen das Netzwerk Lebensraum Feldflur, der Fachverband Biogas e. V., der Landesverband der Maschinenringe e. V. und der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachen-Bremen e. V. Durch die Vernetzung lokaler Akteure soll der Anbau und die Ernte mehrjähriger, ertragreicher Wildpflanzenmischungen sowie die Abnahme der Biomasse in eine nahe gelegene Biogasanlage erleichtert werden. Denn auch Landwirte ohne eigene Biogasanlage oder nur mit kleinen zur Verfügung stehenden Flächen sollen die heimischen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen anbauen können.

„Besonders auch kleinere, in der Landschaft verteilte Wildpflanzenflächen können eine hohe ökologische Wirkung erzielen. Die Veranstaltung war ein erfolgreicher Anfang, um die Wildpflanzen auch in Südniedersachsen vermehrt auf die Fläche zu bringen“, sagte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung, die das Netzwerk Lebensraum Feldflur koordiniert im Nachgang der Veranstaltung. Gleichzeitig sei aber die Politik gefragt, dieses ökologisch wertvolle Anbausystem für Landwirte attraktiv zu machen“, so Kinser weiter. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hat seine Forderungen dazu unter dieser Rubrik zusammengefasst.

Über das Treffen in Aerzen wurde auch in der Presse berichtet, s. hier

Bunte Biomasse neben Mais im Juni 2019 (Foto: C.Kemnade)

Wildpflanzen trotzen der Trockenheit – Bunte Biomasse gerade in Dürrezeiten auf Erfolgskurs

Hamburg, 13. Mai 2020. Der April war viel zu trocken und auch der Mai brachte bisher nicht genug Regen. Was der Sommer bringt, weiß niemand. Fest steht: Dürreperioden und extreme Trockenheit machen den Landwirten zu schaffen. Schon jetzt ist der Wassergehalt des Bodens vielerorts zu niedrig. Da kommt die Nachricht aus dem Projekt Bunte Biomasse genau richtig: Ertragreiche Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion trotzen der Trockenheit – und zwar häufig besser als Mais!

„Unsere bundesweiten Erfahrungen haben gezeigt, dass Kulturen aus mehrjährigen Wildpflanzenmischungen sehr gut mit der Trockenheit klarkommen“, sagt Christian Kemnade, Leiter des Kooperationsprojektes Bunte Biomasse bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Viele Landwirte, die sowohl Mais als auch mehrjährige Wildpflanzen für die Biogasgewinnung angebaut haben, konnten in den Dürresommern 2018 und 2019 mehr Frischmasse von den Wildpflanzenflächen ernten als vom benachbarten Maisfeld“, so Kemnade.

Der größte Vorteil der Wildpflanzenmischungen liegt in ihrer Mehrjährigkeit. Die Saatgutmischung wird im Sommer eingesät und bildet bis zum Winter bereits eine geschlossene Vegetationsdecke. Die Wildpflanzen nutzen dann die Winterfeuchtigkeit, um zu wachsen, und fangen bereits früh im neuen Jahr an zu blühen. „Wenn der Mais im April oder Mai gesät wird, hat sich auf den Wildpflanzenflächen bereits eine üppige Vegetation ausgebildet und die ersten Blüten zeigen sich“, betont Kemnade. „Die mehrjährigen Stauden, die in den Wildpflanzenmischungen enthalten sind, bilden über die Jahre ein tiefes und sehr dichtes Wurzelwerk aus.“ Das hilft ihnen, das im Boden vorhandene Wasser optimal zu nutzen und schützt den Boden außerdem gerade im Frühjahr vor Erosion durch Wind.

Auch wenn mehrjährige, ertragreiche Wildpflanzenkulturen bei Trockenheit mitunter höhere Biomasseerträge als Mais liefern, bleibt unter Normalbedingungen ihr Methanertrag je Hektar hinter dem Mais zurück. „In unserem Kooperationsprojekt Bunte Biomasse erhalten die teilnehmenden Landwirte daher eine Ausgleichszahlung von 250 Euro pro Hektar und Jahr“, so Kemnade. „Die Nachfrage ist sehr groß und die positiven ökologischen Effekte sind überzeugend.“ So wächst ein lang anhaltendes und reichhaltiges Blühangebot, das im Frühjahr und Sommer Nahrung und Lebensraum für Insekten und im Winterhalbjahr vielen Wildtieren Deckung bietet, während andere Äcker nur nackte Böden zu bieten haben. Auf den Projektflächen tummeln sich deutlich mehr Insekten oder Feldvögel. Es wird nicht nur Biomasse, sondern nebenbei auch biologische Vielfalt produziert.

Bunte Biomasse ist ein Kooperationsprojekt der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbands e. V. und der Deutschen Wildtier Stiftung. Deutschlandweit sollen bis 2024 mehr als 500 Hektar der ertragreichen, mehrjährigen Wildpflanzenmischungen angelegt werden. Die Landwirte erhalten über das Projekt und mithilfe regionaler Unterstützer einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos zu Anbau und Ernte beraten.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier

Bunte Biomasse (Foto: C.Kemnade)

Bunte Biomasse – Anbausystem mit Zukunft

Das Kooperationsprojekt „Bunte Biomasse – Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft“ der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbandes e.V. und der Deutschen Wildtier Stiftung zieht eine überaus positive Bilanz des ersten Projektjahres: Deutschlandweit wurden 2019 bereits über 120 ha mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biomassenutzung neu etabliert.

„Da das Projekt erst im Frühjahr und damit mitten in der Anbauphase gestartet ist, haben wir mit einer so großen Nachfrage von Landwirten nicht gerechnet“, sagt Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

Gleichzeitig wurden bereits über 80.000 Euro an Kofinanzierungsmitteln eingeworben, die gemeinsam mit den Projektmitteln zur Honorierung der teilnehmenden Landwirte eingesetzt werden. „Sowohl die Anzahl der bereits jetzt teilnehmenden Betriebe als auch die Höhe der zugesagten Kofinanzierungsmittel zeigen uns, dass Bunte Biomasse ein Anbausystem mit Zukunft ist“, so Kinser weiter. Als Kofinanzierer konnten bereits mehrere Jagd- und Fachverbände sowie Verwaltungen und Privatpersonen überzeugt werden.

Durch das Kooperationsprojekt Bunte Biomasse soll das Anbausystem von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion in der landwirtschaftlichen Praxis verankert werden.

Die Vorteile von Bunter Biomasse im Vergleich zu konventionellen Biomassepflanzen wie Mais sind vielfältig: Die Kulturen aus bis zu 25 verschiedenen Wildpflanzenarten bieten ganzjährig Lebensraum für Insekten, Agrarvögel und Wintergäste und die ganzjährige Bewurzelung des Oberbodens verbessert die Humusbilanz und vermindert Erosion. Mehrjährige Wildpflanzenkulturen bieten außerdem ein hohes Potential zur Stickstoffbindung und helfen dadurch beim Grundwasserschutz. „Die Verknüpfung von Arten- und Ressourcenschutz sind ein überzeugendes Argument für das Anbausystem Bunte Biomasse“, so Sylke Freudenthal vom Vorstand der Veolia Stiftung.

Doch auch ökonomisch sind mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion attraktiv. „2019 haben einige Betriebe trotz schwieriger Bedingungen über 40 t Frischmasse des Aufwuchses mehrjähriger Wildpflanzenmischungen geerntet,“ sagt Johann Högemann, der im Auftrag der Kooperationspartner die teilnehmende Landwirte im Projekt Bunte Biomasse kostenlos bei der Etablierung der Bestände und der Ernte des Aufwuchses berät.

„Je nach Standortgüte können Erträge von 9 bis 14 t Trockenmasse je Hektar bei einer Gasausbeute von etwa 65 Prozent gegenüber Mais erzielt werden“, so Högemann weiter. Da die einmal etablierten, mehrjährigen Wildpflanzenbestände bis zu fünf Jahre lang geerntet werden können, sind die Produktionskosten im Vergleich zu einjährigen Biomassepflanzen wie Mais deutlich geringer.

Um Bunte Biomasse zukünftig als einen festen Bestandteil in der landwirtschaftlichen Praxis zu etablieren, braucht es jedoch einen zusätzlichen Anreiz. Ein guter Weg wäre dabei die Einbindung des Anbausystems in die Agrarumweltmaßnahmen der Länder.

Den kompletten Artikel finden Sie hier