Stickstofffixierung durch Wildpflanzen - Gewässerschutz

Gewässerschutz mit mehrjährigen Wildpflanzen

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe präsentiert in einer neuen Broschüre vielfältige Forschungsergebnisse zum Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen, wie etwa mehrjährigen Wildpflanzen.

Mit der im März beschlossenen neuen Düngeverordnung steigen die Anforderungen an die Landwirtschaft, den Gewässerschutz in der Praxis zu optimieren. Lösungsansätze und detaillierte Informationen dafür liefert die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit der Neuauflage der Broschüre „Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen“. Sie präsentiert vielfältige Ergebnisse zum Gewässerschutz im Energiepflanzenanbau aus Forschungsprojekten, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert hat. Dabei wird nicht nur die Reduktionswirkung der einzelnen Maßnahmen im Hinblick auf Nährstoffverluste verglichen, sondern der Leser findet auch viele Aussagen zu Erträgen und Wirtschaftlichkeit.

Die Broschüre stellt diverse Ansätze vor, Stickstoff- und Phosphor-Verluste zu reduzieren. Einige Konzepte wie der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten oder die Anpassung von Düngegaben sind nicht neu, interessant sind aber die Werte, die in Versuchen zu diesen Ansätzen ermittelt wurden. Auf Standorten, die langjährig mit organischen Düngern, zum Beispiel mit Gärresten, behandelt wurden, besteht häufig Spielraum für eine Reduzierung der Düngegaben, denn solche Böden weisen in der Vegetationszeit eine hohe Stickstoff-Nachlieferung auf.

Neue Kapitel: Dauerkulturen und Wildpflanzen

Noch mehr Platz als in der ersten Auflage räumt die Broschüre den Dauerkulturen ein: Silphie, Riesenweizengras und Wildpflanzenmischungen haben ihre Eignung für den Boden- und Gewässerschutz in Versuchen unter Beweis gestellt, wie etwa in einem mehrjährigen Monitoring zur Nährstofffixierung in Niedersachsen. Und auch in der Praxis finden die mehrjährigen Wildpflanzen bereits Anwendung im Gewässerschutz, wie etwa in Bayern. Als nach der Ernte weiterwachsende Kultur, die den Boden über Winter bedeckt, sind sie prädestiniert für diese Aufgaben. Auf den Wildpflanzenflächen finden Insekten und andere Wildtiere darüber hinaus reichlich Nahrung und Deckung. Eine Aufnahme in Agrarumweltprogramme oder andere Fördermaßnahmen könnte diesem innovativen Anbausystem zum Durchbruch verhelfen.

Die Neuauflage enthält auch zwei Kapitel, die sich mit dem Gewässerschutz auf der Biogasanlage selbst und mit der Vermarktung der Gärreste beschäftigen. Sie stellen ein wirtschaftliches Verfahren zur Behandlung von organisch belastetem Oberflächenwasser auf Biogasanlagen vor und geben Tipps zum richtigen Marketing bei der Abgabe von Gärrestdüngern außerhalb der Landwirtschaft.

Die Broschüre „Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen“ sowie der Abschlussbericht zur Nährstofffixierung durch mehrjährige Wildpflanzen stehen hier als Download zur Verfügung.

Den kompletten Artikel aus der  topagrar finden Sie hier.

Schmetterlinge - Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Bunte Biomasse kann Schmetterlingen helfen

In Deutschland leben rund 3.700 verschiedene Schmetterlinge. Nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn sind mindestens 60 Schmetterlingsarten bereits ausgestorben, 494 weitere seien vom Aussterben bedroht oder unterschiedlich stark gefährdet. „Selbst viele Allerweltsarten wie zum Beispiel das Tagpfauenauge oder die Kohlweißlinge sind im Bestand merkbar rückläufig“, sagte Andreas Segerer, stellvertretender Direktor der Zoologischen Staatssammlung München, der Deutschen Presse-Agentur. Und auch andere früher häufige Arten wie der Hauhechel-Bläuling (s. Beitragsbild, Foto: M.Tetzlaff) nehmen vielerorts ab.

Die Ursachen sind laut Experten unter anderem der Klimawandel und die damit verbundenen langen Dürresommer und Hitze sowie die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden und Düngern. Zudem werde der Lebensraum der Tiere immer kleiner. Schmetterlinge bräuchten nährstoffarme, offene und blütenreiche Landschaften und lichte, naturnahe Wälder, sagte Segerer. Doch solche Biotope gebe es fast nur noch in Schutzgebieten.“Diese sind aus der Vogelperspektive nur noch winzige Inseln inmitten einer für alle Arten lebensfeindlichen Agrar- und Betonwüste“, sagte Segerer. Ein Beispiel ist laut Segerer das Naturschutzgebiet im Donautal in Regensburg. Dort würden seit mehr als 200 Jahren Daten über Schmetterlinge gesammelt. 39 Prozent von mehr als 120 Arten seien dort mittlerweile verschwunden, etwa die Hälfte davon allein in den letzten 20 Jahren. „Das zeigt die Dynamik besonders dramatisch.“

Doch es gibt auch Möglichkeiten, die bedrohten Falter auch außerhalb von Schutzgebieten zu schützen.Um auf großer Fläche etwas zu bewirken, braucht es produktionsintegrierte Lösungen auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Denn rund die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Der Anbau mehrjähriger Saatmischungen aus Wild- und Kulturarten zur Biomasseproduktion ermöglicht genau diesen Zweiklang aus Ökologie und Ökonomie. Auf den Flächen kann zum Einen Biomasse zur Verwertung in der Biogasanlage produziert, zum Anderen aber auch ein wertvoller Lebensraum für Insekten und Wildtiere geschaffen werden. Denn die mehrjährigen Wildpflanzen bieten laut Untersuchungen nicht nur den Schmetterlingen, sondern auch vielen weiteren Insektengruppen ein reichhaltiges und lang anhaltendes Blühangebot, sondern bieten auch zahlreichen Wildtieren ganzjährig Deckung und Nahrung. Gleichzeitig liefern sie ordentliche Biomasseerträge und liefern eine wirklich nachhaltige, erneuerbare Energie.

Den kompletten Artikel zum Verschwinden der Schmetterlinge auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.

Johann Högemann auf Wildpflanzenfeld zur Biomasseproduktion

Wildpflanzen statt Mais im Weserbergland

Anbau von Wildpflanzen und Vernetzung lokaler Akteure soll zu mehr Artenvielfalt bei der Biogasproduktion führen

Am 2. Juli 2020 trafen sich Landwirte, Journalisten und weitere Interessierte in Aerzen im Weserbergland, um sich über das Konzept mehrjähriger Wildpflanzen zur Biomasseproduktion zu informieren. Auf dem Betrieb von Jörg und Christian Pape konnten die Teilnehmenden nicht nur alles rund um den theoretischen Hintergrund des innovativen Anbausystems erfahren, sondern auch direkt eine Praxisfläche mit den in Blüte stehenden Wild- und Kulturpflanzenmischungen begehen. Die Fläche hatte Betriebsinhaber Pape im letzten Jahr im Rahmen des Projektes Bunte Biomasse angesät.

Johann Högemann, Fachberater für Acker-und Pflanzenbau, begeisterte die Anwesenden für die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen, die je nach Standortgüte 9 bis 14 Tonnen Trockenmasse pro Hektar liefern können. Zwar kommen die Mischungen nicht an den Mais heran, sie liefern nur etwa 65 Prozent des Methanertrags. Dafür haben Sie aber zahlreiche ökologische Vorteile: Sie bieten nicht nur Insekten und Wildtieren einen Lebensraum, sondern schützen auch den Boden und das Grundwasser.

Anberaumt hatten das Treffen das Netzwerk Lebensraum Feldflur, der Fachverband Biogas e. V., der Landesverband der Maschinenringe e. V. und der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachen-Bremen e. V. Durch die Vernetzung lokaler Akteure soll der Anbau und die Ernte mehrjähriger, ertragreicher Wildpflanzenmischungen sowie die Abnahme der Biomasse in eine nahe gelegene Biogasanlage erleichtert werden. Denn auch Landwirte ohne eigene Biogasanlage oder nur mit kleinen zur Verfügung stehenden Flächen sollen die heimischen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen anbauen können.

„Besonders auch kleinere, in der Landschaft verteilte Wildpflanzenflächen können eine hohe ökologische Wirkung erzielen. Die Veranstaltung war ein erfolgreicher Anfang, um die Wildpflanzen auch in Südniedersachsen vermehrt auf die Fläche zu bringen“, sagte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung, die das Netzwerk Lebensraum Feldflur koordiniert im Nachgang der Veranstaltung. Gleichzeitig sei aber die Politik gefragt, dieses ökologisch wertvolle Anbausystem für Landwirte attraktiv zu machen“, so Kinser weiter. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hat seine Forderungen dazu unter dieser Rubrik zusammengefasst.

Über das Treffen in Aerzen wurde auch in der Presse berichtet, s. hier

Aktionswoche Artenvielfalt - Wildpflanzen als Biogassubstrat schützen Bienen und Bauern

Alternative Energiepflanzen helfen Bienen und Bauern – Deutscher Imkerbund beteiligt sich an Aktionswoche Artenvielfalt

Artenvielfalt und Biogas sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: die Biogasnutzung bietet die große Chance, dass unsere Felder langfristig wieder bunter und artenreicher werden und gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für unsere Wildtiere und Insekten geschaffen wird. Genau das will der Fachverband Biogas e.V. in der Aktionswoche Artenvielfalt gemeinsam mit vielen anderen Verbänden und Organisationen in diesem Jahr vom 29. Juni bis 3. Juli deutlich machen.

Auch der Deutsche Imkerbund e.V. (D.I.B.), mit rund 128.000 organisierten Imker*innen der mitgliederstärkste europäische Bienenzüchterverband, beteiligt sich an der Aktion, die unter dem Motto #blühendesleben steht.

Lange hat sich die Landwirtschaft auf ausgewählte Einzelkulturen, hier vorrangig Mais, zur Biomassegewinnung fixiert. Dabei sind abwechslungsreiche Fruchtfolgen nicht nur ökologisch die bessere Wahl. D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann merkt an: „Biogas ist nicht gleichbedeutend mit Maisanbau, denn dieser liefert unseren Bienen keinen Nektar und nur in geringem Maße Pollen. Es gibt eine ganze Reihe alternativer Energiepflanzen, deren Anbau nicht nur eine lebensnotwendige Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen ist und die Biodiversität fördert, sondern Landwirten Nachhaltigkeit, Bodenfruchtbarkeit und gute Erträge garantiert.“

Seit vielen Jahren setzt sich der D.I.B. für die Nahrungsverbesserung von Blüten besuchenden Insekten ein. Denn besonders in den Monaten Juli bis September finden diese im ländlichen Raum durch geänderte Flächennutzung zu wenig vielfältige, pollen- und nektarreiche Nahrung. „Für Wildbienen stellen diese Trachtlücken eine existenzielle Bedrohung dar. Den Honigbienen können wir Imker mit einer Zufütterung helfen – die Pollenarmut und die damit fehlende Eiweißversorgung lässt sich dadurch aber nicht ausgleichen“, erklärt Ellmann.

Man sucht deshalb nach geeigneten Pflanzen, die nicht nur Blüten besuchenden Insekten Nahrung verschaffen, sondern deren Anbau auch für Energiewirte wirtschaftlich ist. „Wir wissen, dass Landwirte von ihren Erträgen leben müssen. Deshalb sind solche Alternativen am geeignetsten, die beiden Seiten helfen“, sagt Ellmann.

Schon lange sind Wildpflanzenmischungen in erfolgreicher Erprobung. Sie zeichnen sich durch eine besonders hohe ökologische Bilanz aufgrund der Mehrjährigkeit und der Artenvielfalt aus. Sie verbessern aufgrund der langen Blühzeit nicht nur das Habitatangebot für Wildbienen und die Nahrungssituation für eine Vielzahl von Insekten, sondern bieten sowohl im Sommer als auch im Winter Nahrung und Deckung für Niederwild, Singvögel und Kleinsäuger. Aufgrund der klimatischen Veränderungen werden auch spätblühende, trockenresistente „Prärie-Pflanzen“, wie z. B. Sonnenhut und Sonnenbraut, immer interessanter, die auch bei geringem Niederschlag wachsen und Nektar und Pollen liefern.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim geht im Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ bereits seit 2008 der Frage nach, ob neben dem hohen ökologischen Wert Wildpflanzen als Energielieferanten auch eine ökonomische Alternative für den Biogasanlagenbetreiber darstellen. Betrachtet man allein den Methanhektarertrag, so können Wildpflanzen nicht mit Mais konkurrieren, da dieser in kurzer Zeit erheblich mehr Biomasse bildet. Auch sind Wirtschaftlichkeitsberechnungen standortabhängig unterschiedlich zu bewerten. Fest steht aber, dass bei Wildpflanzenmischungen auf chemische Pflanzenschutzmittel weitestgehend verzichtet werden kann und ab dem zweiten Standjahr keine mechanische Bodenbearbeitung mehr durchgeführt werden muss. Außerdem verbessert die ganzjährige Bewurzelung des Oberbodens die Humusbilanz, der Bodenabtrag durch Erosion und die Bodenverdichtung werden reduziert und die Bodenfeuchte gehalten. Mehrjährige Wildpflanzenkulturen bieten zudem ein hohes Potential zur Stickstoffbindung. Daneben werten die Blühpflanzen das Landschaftsbild auf und ermöglichen einen Imagegewinn für die Landwirtschaft.

Ellmann: „Trägt ein Landwirt zum Naturschutz und Artenerhalt bei, so ist dies eine öffentliche Leistung, die honoriert werden sollte. Eine solche Förderung würde Ertragsverluste, die durch derartige, umweltschonende Anbausysteme entstehen, ausgleichen. Dies ist eine Forderung in unserem Positionspapier zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik.“

Artenvielfalt - Gartenhummel (Bombus hortorum) auf Wildpflanzenacker zur Biogasproduktion

Aktionswoche Artenvielfalt – passen Biogas und Biodiversität zusammen?

Biogas und Artenvielfalt – passt das zusammen?

Diese Frage würden viele Menschen spontan wahrscheinlich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Denn in den meisten Köpfen hängt die Biogasproduktion untrennbar mit dem Anbau ökologisch wenig wertiger Monokulturen zusammen, man denke nur an den omnipräsenten Begriff der „Vermaisung“ der Landschaft. Wenn man in Betracht zieht, dass auf rund einer Million Hektar in Deutschland Mais für die Biomasseproduktion angebaut wird, scheint diese Annahme durchaus gerechtfertigt.

Doch die Bereitstellung von erneuerbarer Energie durch Biogasanlagen muss nicht zwangsläufig durch intensive Monokulturen erfolgen. Es gibt inzwischen zahlreiche Alternativen. Die ökologisch wertvollste Art der Biomasseproduktion eröffnet dabei die Nutzung mehrjähriger heimischer Wild- und Kulturpflanzenmischungen. Diese Mischungen liefern nicht nur einen ordentlichen Biomasseertrag, sondern sie haben gegenüber herkömmlichen Kulturen auch unzählige ökologische Vorteile. Sie bieten Insekten Nahrung und einen Lebensraum und auch Vögel und Säugetiere profitieren von den mehrjährigen Wildpflanzenflächen, denn Sie finden hier nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter Deckung und Nahrung. Gleichzeitig stärkt die mehrjährige Bodenruhe, die Wildpflanzenmischungen können nach der einmaligen Ansaat bis zu fünf Jahre beerntet werden, die Bodenfauna. Darüber hinaus sorgt der weitgehende Verzicht auf Pflanzenschutzmittel für eine reiche Artenvielfalt auf den Flächen.

Dass die Produktion von Biogas mit den Zielen des Arten- und Naturschutzes durchaus vereinbar ist, soll auch durch das deutschlandweit größte Projekt zur Etablierung mehrjähriger Wildpflanzenmischungen gezeigt werden. Das Gemeinschaftsvorhaben Bunte Biomasse der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbands e. V. und der Deutschen Wildtier Stiftung soll die Wildpflanzen deutschlandweit auf den Acker bringen. Die teilnehmenden Landwirte werden dabei kostenfrei von erfahrenen Experten beraten und erhalten unbürokratisch eine Ausgleichszahlung, denn die Wildpflanzen kommen nur auf rund 65 % der Methanausbeute der über Jahrzehnte optimierten Maiskulturen. Das Projekt findet deutschlandweit großen Anklang in der Landwirtschaft, im Naturschutz und der Jägerschaft.

Aktionswoche Artenvielfalt

Um darauf aufmerksam zu machen, dass die Produktion von Biomasse zur Biogasproduktion auch Hand in Hand mit dem Erhalt der Artenvielfalt gehen kann, hat der Fachverband Biogas vom 29. Juni bis zum 03. Juli 2020 die Aktionswoche Artenvielfalt ausgerufen. Über eigene Veranstaltungen und die sozialen Medien können sich Menschen deutschlandweit einbringen (#blühendesleben und #Biogas2030): Gefragt sind hier persönliche Erfahrungen und Aktionen zu alternativen Biogaskulturen sowie die Äußerung von Wünschen und Forderungen an die Politik.

Das Netzwerk Lebensraum Feldflur fordert, dass die politischen Entscheider für den Anbau der mehrjährigen Wildpflanzen zur Biogasproduktion Anreize schaffen, sodass sich dieses innovative und ökologisch wertvolle Anbausystem auf größerer Fläche etablieren kann. Denkbar wäre hier etwa eine Förderung im Rahmen des Greenings (wie bereits geschehen für die Durchwachsene Silphie), eine Aufnahme in die ländlichen Förderprogramme der Länder oder eine Förderung durch die EEG-Umlage. So könnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Eine erneuerbare, nicht fossile Energiegewinnung und der Schutz der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.

Aktionswoche Artenvielfalt Fachverband Biogas

Ministerin Otte Kinast lobt Wildpflanzen-Projekt

Ministerin Otte-Kinast lobt Wildpflanzen-Projekt: Chance für Artenvielfalt, Grundwasserschutz und Bodenqualität

Große Chance für Artenvielfalt, Grundwasserschutz und Bodenqualität: Der Anbau von Wildpflanzen als Alternativkultur zum Mais für die energetische Nutzung in der Biogasanlage bietet nicht nur einen hohen ökologischen Mehrwert für die heimische Tierwelt, sondern zeigt auch positive Effekte auf die Grundwasserqualität. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt „Nährstofffixierung mehrjähriger Wildpflanzen auf Praxisflächen in Niedersachsen“.  Die Landesjägerschaft Niedersachsen präsentierte die Abschlussergebnisse dieses Forschungsprojektes der Niedersächsischen Landwirtschaftsministerin, Barbara Otte-Kinast, heute in Syke.

„Das sind sehr vielversprechende Ergebnisse. Neben der Steigerung der Artenvielfalt, ist die Vermeidung von Stickstoffausträgen im Boden ein weiterer positiver Effekt, der für den Anbau dieser Wildpflanzenmischungen spricht,“ zeigte sich Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast erfreut. „Die Ergebnisse unserer beiden gemeinsamen Forschungsprojekte können innovative Ansätze für ein Gesamtkonzept zum Wohle von Artenvielfalt, Grundwasserschutzes und Bodenqualität liefern – dafür bin ich der Landesjägerschaft Niedersachsen sehr dankbar“, so die Ministerin weiter.

Verteilt auf neun Versuchsflächen im Raum Lingen, Syke, Bruchhausen-Vilsen und Wiefelstede, wurden in den Jahren 2017 bis Ende 2019 auf rund 25 ha Praxisfläche die Nährstoffgehalte im Boden, im Erntegut und in der Wurzelmasse untersucht. Unter anderem wurden in regelmäßigem Turnus Nmin-Messungen durchgeführt in die sowohl mehrjährig etablierte Wildpflanzenbestände als auch neu angelegte Flächen einbezogen wurden. Zu verschiedenen Zeiten der Vegetationsperiode stand dabei die Nährstoffausnutzung – insbesondere Nitrat – im Fokus, um deren Potenzial zur Stickstoffbindung zu ergründen. Mehrjährige Wildpflanzen, so eine der Kernaussage der Ergebnisse, setzten die zur Eigenversorgung benötigten moderaten Nährstoffmengen vollständig in Biomasse um und entzogen darüber hinaus dem Boden bis zum Vegetationsende Nitrat, was für eine verbesserte Qualität des Grundwassers sorgt.

„Wir sind von den Potenzialen der mehrjährigen Wildpflanzen absolut überzeugt: Sie fördern die Artenvielfalt und führen zu einer ökologischen Aufwertung der Feldflur – darüber hinaus sind sie in der Lage die Grundwasserqualität zu steigern“, so Josef Schröer, Stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachen. Um den Anbau dieser Dauerkulturen in Niedersachsen großräumiger zu etablieren, seien nun politischer Wille und finanzielle Förderanreize notwendig: „Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität und zur Reduzierung der Nährstoffausträge sind drängende aktuelle Fragen. Ein sehr vielversprechender Ansatz dabei kann der Anbau von Wildpflanzen zur Energiegewinnung sein“, so Schröer weiter.

Ergänzend zu den regelmäßigen Nmin-Beprobungen wurden in den Jahren 2018 und 2019 zudem Nitrattiefenprofile erstellt. Hierdurch konnten Auskünfte über die Nitratüberschüsse der vergangenen Jahre gewonnen werden – auch hier zeigte sich ein deutlicher Effekt: In Bodenschichten bis 90 cm Tiefe ohne Wildpflanzenanbau wurden durchschnittlich 127 mg Nitrat/l im Bodenwasser gemessen, wohingegen dieser Wert auf Flächen mit Wildpflanzenanbau mit 42 mg Nitrat/l deutlich niedriger lag. Auch ließ sich feststellen, dass unter Flächen, die mit mehrjährigen Wildpflanzen bestellt sind, keine Nitratverlagerung in tiefere Bodenschichten erfolgt. „Die Ergebnisse der Untersuchung geben deutliche Hinweise darauf, dass der Anbau von Wildpflanzen unter dem derzeit praktizierten Düngeregime zu einer Reduktion der Nitratausträge in das Grundwasser gegenüber der herkömmlichen Bewirtschaftung führt“, resümiert Andreas Rohde, vom Büro Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU), das mit Auswertung der Nitratflächenprofile beauftragt war.

Der Anbau von Wildpflanzen verbessert die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Nutzflächen durch die mehrjährige Vielfalt an Pflanzenarten. Mit ihren unterschiedlichen Blühzeitpunkten bieten sie fast während der gesamten Vegetationsperiode Insekten, Bienen, Feldvögeln und anderen Wildtieren einen dauerhaften Lebens-, Nahrungs- und Rückzugsraum – und sorgen für eine dauerhafte Flächenbegrünung – ein deutlicher Vorteil gegenüber Mais. Bei der Beerntung bieten die Methanerträge allerdings je Hektar ein niedrigeres Ertragsniveau im Vergleich zur Maissilage. Dass es in Anbetracht des ökologischen Mehrwerts sinnvoll ist hier eine Ausgleichsregelung zu schaffen, verdeutlicht 3N-Geschäftsführerin Dr. Marie-Luise Rottmann-Meyer an einem praktischen Rechenbeispiel: „Bereits 1 ha Wildpflanzen liefert ein Jahr lang den Strom für fast zweieinhalb 4-Personen-Haushalte“.

Beim Ansatz, Wildpflanzen zur Energiegewinnung wissenschaftlich zu fundieren und deren Chancen und Potenziale transparent zu machen, ist Niedersachsen bundesweit führend: In einem ersten gemeinsamen Projekt der Landesjägerschaft Niedersachsen und dem Land Niedersachsen in Kooperation mit dem 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e.V und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurden in den Jahren 2013 bis 2016 bereits die ökologischen und ökonomischen Effekte des Anbaus von Wildpflanzen zur Energiegewinnung untersucht. Beide Projekte wurden mit je 150.000 € mit Mitteln des Landes Niedersachsen finanziell gefördert. Intensiv ackerbaulich betreut werden die Wildpflanzenflächen von Dipl. Ing. Agrar Johann Högemann aus der Jägerschaft Lingen e.V.

Den Abschlussbericht des Forschungsprojekts finden Sie hier

Die Ergebnisse untermauern das hohe Potenzial der Wildplfanzenmischungen für den Grundwasser- und Bodenschutz. Im Rahmen des Projektes Bunte Biomasse, das deutschlandweit den Anbau von Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion voranbringt, wurde mit der Gemeinde Rimpar in Bayern bereits eine Kooperation gestartet, um die Wasserqualität zweier Brunnen zu verbessern. Dieses Beispiel könnte nun deutschlandweit, nicht nur in Regionen mit hoher Viehdichte oder in Wasserschutzgebieten, Nachahmer finden.

 

Bunte Biomasse neben Mais im Juni 2019 (Foto: C.Kemnade)

Wildpflanzen trotzen der Trockenheit – Bunte Biomasse gerade in Dürrezeiten auf Erfolgskurs

Hamburg, 13. Mai 2020. Der April war viel zu trocken und auch der Mai brachte bisher nicht genug Regen. Was der Sommer bringt, weiß niemand. Fest steht: Dürreperioden und extreme Trockenheit machen den Landwirten zu schaffen. Schon jetzt ist der Wassergehalt des Bodens vielerorts zu niedrig. Da kommt die Nachricht aus dem Projekt Bunte Biomasse genau richtig: Ertragreiche Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion trotzen der Trockenheit – und zwar häufig besser als Mais!

„Unsere bundesweiten Erfahrungen haben gezeigt, dass Kulturen aus mehrjährigen Wildpflanzenmischungen sehr gut mit der Trockenheit klarkommen“, sagt Christian Kemnade, Leiter des Kooperationsprojektes Bunte Biomasse bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Viele Landwirte, die sowohl Mais als auch mehrjährige Wildpflanzen für die Biogasgewinnung angebaut haben, konnten in den Dürresommern 2018 und 2019 mehr Frischmasse von den Wildpflanzenflächen ernten als vom benachbarten Maisfeld“, so Kemnade.

Der größte Vorteil der Wildpflanzenmischungen liegt in ihrer Mehrjährigkeit. Die Saatgutmischung wird im Sommer eingesät und bildet bis zum Winter bereits eine geschlossene Vegetationsdecke. Die Wildpflanzen nutzen dann die Winterfeuchtigkeit, um zu wachsen, und fangen bereits früh im neuen Jahr an zu blühen. „Wenn der Mais im April oder Mai gesät wird, hat sich auf den Wildpflanzenflächen bereits eine üppige Vegetation ausgebildet und die ersten Blüten zeigen sich“, betont Kemnade. „Die mehrjährigen Stauden, die in den Wildpflanzenmischungen enthalten sind, bilden über die Jahre ein tiefes und sehr dichtes Wurzelwerk aus.“ Das hilft ihnen, das im Boden vorhandene Wasser optimal zu nutzen und schützt den Boden außerdem gerade im Frühjahr vor Erosion durch Wind.

Auch wenn mehrjährige, ertragreiche Wildpflanzenkulturen bei Trockenheit mitunter höhere Biomasseerträge als Mais liefern, bleibt unter Normalbedingungen ihr Methanertrag je Hektar hinter dem Mais zurück. „In unserem Kooperationsprojekt Bunte Biomasse erhalten die teilnehmenden Landwirte daher eine Ausgleichszahlung von 250 Euro pro Hektar und Jahr“, so Kemnade. „Die Nachfrage ist sehr groß und die positiven ökologischen Effekte sind überzeugend.“ So wächst ein lang anhaltendes und reichhaltiges Blühangebot, das im Frühjahr und Sommer Nahrung und Lebensraum für Insekten und im Winterhalbjahr vielen Wildtieren Deckung bietet, während andere Äcker nur nackte Böden zu bieten haben. Auf den Projektflächen tummeln sich deutlich mehr Insekten oder Feldvögel. Es wird nicht nur Biomasse, sondern nebenbei auch biologische Vielfalt produziert.

Bunte Biomasse ist ein Kooperationsprojekt der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbands e. V. und der Deutschen Wildtier Stiftung. Deutschlandweit sollen bis 2024 mehr als 500 Hektar der ertragreichen, mehrjährigen Wildpflanzenmischungen angelegt werden. Die Landwirte erhalten über das Projekt und mithilfe regionaler Unterstützer einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos zu Anbau und Ernte beraten.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier

Biogas aus Wildpflanzen

Können Eco-Schemes Wildpflanzen zur Biomasseproduktion fördern?

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Europäischen Union. Denn durch den Brexit auf der einen Seite und die Forderungen nach mehr Klima-, Umwelt- und Artenschutz auf der anderen Seite ist ein „Weiter wie bisher“ für die kommende Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) schwer vorstellbar. Noch ist vieles in Bezug auf die Ausgestaltung der nächsten Förderperiode relativ unklar. Ein viel diskutiertes Thema sind allerdings die sogenannten Eco-Schemes  (auf Deutsch etwa Öko Regeln). Ein Bericht, den das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und das Institut für Europäische Umweltpolitik (IEEP) im Auftrag der IFOAM EU-Gruppe erstellt haben, offenbart nun weitere Einblicke und konkrete Handlungsempfehlungen für die verantwortlichen Behörden.

Einer der positiven Aspekte ist laut der Autoren die Tatsache, dass die Eco-Schemes in der 1. Säule verankert werden, wo auch in der nächsten Förderperiode der Großteil der Mittel angesiedelt sein wird. Die Eco-Schemes sollen zu 100 % aus EU-Mitteln finanziert werden, bei ihrer Ausgestaltung aber soll den Mitgliedsstaaten quasi freie Hand gelassen werden. Als neues Instrument sollen sie Landwirte dabei unterstützen, neue Praktiken zu entwickeln und ökologisch nachhaltiger zu wirtschaften, so der Bericht weiter. „Die Eco-Schemes sind die wichtigste Innovation der neuen GAP“, sagte Dr. Matthias Stolze vom FiBL bei der Vorstellung der Studie auf der Biofach, „sie haben großes Potenzial zur Umgestaltung der europäischen Landwirtschaft in ein nachhaltiges System.“ (aus topagrarONLINE).

Besonders für Öko-Landwirte soll dieses neue Werkzeug auch die Kürzungen in der 2. Säule abfedern. Ein entscheidender Vorteil soll daneben auch die „Anreizkomponente“ sein, da anders als bei klassischen Agrarumweltmaßnahmen den teilnehmenden Betrieben nicht nur die Verluste erstattet, sondern über die reine Kompensation hinaus auch ein finanzieller Anreiz geschaffen werden kann. Zu diesem Zeitpunkt ist aber der finanzielle Rahmen der Eco-Schemes und auch die konkrete Implementierung noch unklar.

Der Deutsche Bauernverband fordert, dass die Basisprämie, also die pauschalen Direktzahlungen, mindestens 60 % der Mittel der 1. Säule ausmachen sollen, die Eco Schemes hingegen nur 20 %. Die Grünen hingegen wollen 30 % der Direktzahlungen für ehrgeizige Eco-Schemes bereit stellen und den Anteil in den Folgejahren sogar auf 60 % erhöhen.

Da die Eco-Schemes jedes Jahr neu programmiert werden sollen, müssen mehrjährige Maßnahmen wohl weiterhin aus der 2. Säule getragen werden. Gleichzeitig sollen die Mittel hier stark gekürzt werden. Eine Förderung etwa des Anbaus mehrjähriger Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion durch Eco-Schemes erscheint nicht umsetzbar. Eine mögliche Alternative, um die ertragreichen und ökologisch wertvollen Kulturen in Deutschland dennoch in größerem Maße auf die Fläche zu bringen, könnte, fernab der Eco-Schemes, eine Sondervergütung im Rahmen der EEG-Umlage darstellen. Eine Sondervergütung von 2 bis 3 Cent je Kilowattstunde würde das Anbausystem mehrjähriger Wildpflanzenmischungen auf das wirtschaftliche Niveau des Mais heben. Und die mehrjährigen Wildpflanzen können nicht nur in der Biogasanlage zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden, sondern ganz nebenbei auch noch die Biologische Diversität fördern und das Grundwasser schützen.

*nachträgliche Ergänzung des Autors: Falls, wie in dem aktualisierten Bericht „Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 – Grüne Architektur“ vorgeschlagen, eine „grundsätzliche Möglichkeit, die Maßnahmen als Öko-Regelung auch mehrere Jahre auf derselben Fläche durchzuführen, um u. a. ihre Wirksamkeit zu steigern“ nachgekommen wird, wäre damit eine indirekte Förderung mehrjähriger Maßnahmen durchaus denkbar.

Wildpflanzenprojekt Rhön-Grabfeld hilft Wildbienen

Wildpflanzen zur Biogasproduktion helfen Wildbienen

Konventionelle Landwirtschaft kann in kürzester Zeit zur Artenvielfalt beitragen. Das zeigen Ergebnisse des „Wildpflanzenprojektes Rhön-Grabfeld“, das 2017 vom Bauernverband und der Firma Agrokraft gestartet wurde und seit 2019 auch vom Bayerischen Naturschutzfonds finanziell unterstützt und begleitet wird. Durch das Projekt werden Flächen zur Biogasproduktion, die normalerweise mit Mais bestellt werden, durch eine artenreiche Blühmischung, den „Veitshöchheimer Hanfmix“, ökologisch aufgewertet. Der Hanfmix besteht aus 30 Pflanzenarten und kann nach der Aussaat fünf bis acht Jahre stehen und beerntet werden.

Die Mischung bringt zwar weniger Methanertrag als Mais, hat aber zahlreiche ökologische Vorteile. Vergangenes Jahr wurde überprüft, ob und wie die Blühflächen von der Tierwelt angenommen werden. Was gefunden wurde, „hat alle umgehauen“, berichtet Projektleiterin Michaela Stäblein. So landeten 7734 Wildbienen in der Falle, 124 Arten wurden gezählt, darunter auch zwei, die auf der Roten Liste stehen. In vorigen Untersuchungen wurde auch die in der Roten Liste geführte Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus) auf den Flächen nachgewiesen. Und zwar häufiger (insgesamt entdeckten die Experten 10 Individuen), als in allen vorhergehenden Untersuchungen in Franken. Hinzu kamen zahlreiche andere Insekten und Vogelarten. Die Flächen wirken laut der an den Untersuchungen beteiligten Experten wie Magneten auf Insekten und Vögel. Michaela Stäblein präsentierte in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses die Ergebnisse der Insektenzählung.

Aktuell bauen 40 konventionell arbeitende Landwirte auf rund 100 Hektar den Veitshöchheimer Hanfmix an und beliefern mit den Ernteerträgen fünf Gemeinschaftsbiogasanlagen in Rhön-Grabfeld. Dadurch ist es den Landwirten in kürzester Zeit gelungen, Lebensräume für die bedrohten Wildbienen und viele weitere Bewohner der Feldflur zu schaffen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Beitrag der Flächen zum Bodenschutz und zur Wassersicherung. Denn die Wildpflanzen bedecken den Boden ganzjährig, lockern ihn mit ihren Wurzeln auf und schützen ihn vor Erosion und Austrocknung.

Einen Ausgleich für den Minderertrag erhalten die teilnehmenden Landwirte während der dreijährigen Projektphase aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds. Damit die Finanzierung der artenreichen Blühflächen auch nach Projektende gesichert ist, wollen die Organisatoren versuchen, die Projektidee im Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) des Landes Bayern zu integrieren.

Landrat Thomas Habermann zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der Landwirte und den Ergebnissen der Untersuchungen. Seiner Ansicht nach sollte man versuchen viel mehr Blühflächen im Landkreis anzulegen und „sie wie ein Raster über die Landschaft zu legen“.

Den kompletten Artikel können Sie hier finden

https://www.youtube.com/watch?v=L4ubx55gFsk

Rebhuhn in Wildpflanzen

Rebhuhn, wo bist du? Dramatischer Rückgang heimischer Feldvögel

Um viele Vogelarten, wie etwa das Rebhuhn, steht es in Deutschland sehr schlecht. Das ist die Quintessenz der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) nun vorgelegten Studie. „Vögel in Deutschland – Übersichten zur Bestandssituation“ fasst den aktuellen Wissensstand über die Vogelwelt Deutschlands zusammen. Die präsentierten tabellarischen Übersichten sind Bezugsgrundlage für die Bewertung des Erhaltungszustandes und der Gefährdungssituation brütender, überwinternder und durchziehender Vogelarten.

Hier die Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Zwischen 1992 und 2016 sind im Offenland und Wald je fast zwei Millionen Reviere bzw. Brutpaare verloren gegangen, im Siedlungsbereich etwa 2,5 Millionen.
  • Die Lage in der Agrarlandschaft bleibt alarmierend: So nahmen etwa die Bestände von Rebhuhn und Kiebitz über 24 Jahre um fast 90% ab, beim Wiesenpieper sind drei Viertel der Brutpaare verschwunden. Ähnlich dramatisch ist die Entwicklung bei den Feuchtwiesenarten Uferschnepfe und Bekassine sowie dem Braunkehlchen.
  • Einige Arten der Agrarlandschaft sind mittlerweile so selten, dass sie in immer größeren Bereichen unserer Landschaft fehlen, wie z.B. die Turteltaube. Auch die Feldlerche, früher eine „Allerweltsart“ zeigt inzwischen größere Verbreitungslücken.
  • Der Nordosten Deutschlands ist artenreicher als der Westen oder Süden. Hier befinden sich noch regelrechte „Hotspots“ der Biodiversität, die auch viele seltene Vogelarten beherbergen. Die Gründe dafür sind die vielfältigeren Landschaftsstrukturen, die geringere Landnutzungsintensität und die niedrigere menschliche Siedlungsdichte in diesen Regionen.
  • Aber es gibt auch gute Nachrichten: Einige seltene Arten wie Großtrappe, Schwarzstorch oder Wiesenweihe erholten sich weiterhin dank
    gezielt auf sie abgestimmter Artenhilfsprogramme von ihren historischen Bestandstiefs.

Eine jüngst in „Bird Conservation International“ veröffentlichte Studie bestätigt die dramatische Situation der Feldvögel. Als Hauptursache für die starken Rückgänge wird der Verlust von Brachflächen und der gleichzeitige massive Zuwachs des Maisanbaus identifiziert. Auch fehlten extensiv bewirtschaftete Flächen und Strukturelemente wie Hecken oder Ackerrandstreifen.

Ein großes Problem für die Artenvielfalt in unserer Feldflur, nicht nur innerhalb der Vögel, ist die extreme Verarmung der Anbaukulturen. So werden auf knapp der Hälfte der Ackerfläche Deutschlands nur zwei Kulturen, nämlich Winterweizen und Mais angebaut (insgesamt knapp 6,5 Millionen Hektar !). Etwa 900.000 Hektar davon ist Mais für die Biogaserzeugung. Mais ist eine über Jahrzehnte optimierte und dadurch ertragreiche Kulturpflanze. Aber ihr zunehmend intensiver Anbau schadet dem Artenreichtum in unserer Feldflur. Dabei bietet gerade die Biomasseproduktion aber die Möglichkeit, ökologisch wertvolle Mischkulturen anzubauen.

Der Anbau mehrjähriger Wildpflanzenmischungen bietet sich hier als Lösungsansatz an, denn er vereinbart die Produktion von Biomasse für die Bereitstellung erneuerbarer Energie mit einer ökologischen Aufwertung der Flächen. Die Wildpflanzenmischungen bieten Insekten ein lang anhaltendes und vielfältiges Blühangebot, Deckung und Nahrung für Vögel, Fledermäuse und Niederwild – und das über das ganze Jahr. Durch die lediglich einmalige Bodenbearbeitung im ersten Anbaujahr entsteht eine vielfältige Bodenfauna. Daneben zeigen die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen ein hohes Potenzial zur Stickstofffixierung, was sie für den Boden- und Gewässerschutz interessant macht. Gleichzeitig liefern die Wildpflanzen ordentlich Biomasse: Je nach Standort können über 40 t Frischmasse vom Hektar gefahren werden. Der Methanertrag liegt bei etwa 65 % – 70 % des Ertrages von Mais.

Das Projekt „Bunte Biomasse“ der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbandes und der Deutschen Wildtier Stiftung soll einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, den Anbau von pflanzlicher Biomasse als Substrat für Biogasanlagen enger an den Natur- und Artenschutz zu koppeln. Dazu werden deutschlandweit Landwirte und Biogasanlagenbetreiber gesucht, die bereit sind, einen kleinen Teil ihrer Maisanbaufläche durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen zu ersetzen. Die Landwirte erhalten über das Projekt „Bunte Biomasse“ und mit Hilfe regionaler Unterstützer einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos beim Anbau der Bestände und der Ernte des Aufwuchses beraten. Hilfe für die bedrohten Feldvögel und einen bedeutenden Imagegewinn für die Landwirtschaft und ihre lokalen Akteure bietet das Projekt „Bunte Biomasse“ zum Nulltarif.

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Christian Kemnade (c.kemnade@dewist.de/ 040 9707869-43)