Aktionswoche Artenvielfalt

Aktionswoche Artenvielfalt – gemeinsam für mehr Biodiversität auf den Feldern

Freising, 12.7.2021. Wie schon zur Premiere 2020 beteiligen sich auch in diesem Jahr zahlreiche Verbände, Firmen und Privatpersonen an der 2. Aktionswoche Artenvielfalt. Gemeinsam wollen die Akteure darauf hinweisen, dass das Spektrum an Energiepflanzen sehr groß ist – und dass viele dieser Pflanzen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und Biodiversität auf den Ackerflächen leisten.

„Grundsätzlich kann so gut wie jede Pflanze in Biogasanlagen vergoren und zu Energie in Form von Strom und Wärme oder Kraftstoff umgewandelt werden“, erklärt der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide. Der Unterschied liege allein in der Gasausbeute und damit letztendlich im Einkommen des Betreibers. Von einem Hektar Wildpflanzen beispielsweise könne in einer Biogasanlage nur etwa die Hälfte der Strommenge generiert werden wie von einem Hektar Mais. Dennoch sieht der Verbandspräsident im Anbau alternativer Energiepflanzen eine große Chance – sowohl für die Artenvielfalt auf den Ackerflächen als auch für die Zukunft der Biogasbranche.

Artenreiche Energiepflanzenfelder wünscht sich auch Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Und er fordert schnelles Handeln. „Das Rebhuhn als typischer Bewohner der Feldflur ist seit 1980 europaweit um 94 % zurückgegangen“, mahnt Kinser. Er schätzt, dass auf den knapp 12 Mio. Hektar Ackerfläche in Deutschland gerade einmal 1.500 Hektar Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion angebaut werden. Mit bunter Biomasse als Teil des landwirtschaftlichen Mainstreams könne jedoch eine Trendwende beim Artenrückgang in der Feldflur gelingen.

Gut 200 Hektar dieser Wildpflanzenflächen stammen von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim (LWG). Die dortige Wildpflanzenspezialistin Kornelia Marzini erklärt: „Die Herausforderung besteht darin, eine Mischung zu finden, die sowohl an den Klimawandel angepasst ist, eine hohe Biodiversität garantiert und zudem ausreichend Ertrag für die Biogasanlage generiert.“ Die Veitshöchheimer Mischung erfülle diese Anforderungen seit 2014 und sei u.a. vom BUND und dem Bauernverband anerkannt.

Das späte Erntefenster ab Mitte Juli ermögliche den Vögeln ein erfolgreiches Brutgeschäft. Untersuchungen hätten ergeben, dass bedrohte Arten wie die Braun-, Schwarz- und Blaukehlchen in den Blühflächen vorkommen und die Brutreviere über die Jahre immer weiter zunehmen, berichtet Marzini. Die Basis hierfür sei eine ausreichend große Insektennahrung. Bei Untersuchungen mit einem Insektensauger wurden auf den Blühflächen in einer Viertelstunde 225 verschiedene Insektenarten festgestellt – was selbst renommierte Biologen verblüfft habe.

Für den dreifachen Rodel-Olympiasieger Georg Hackl ist der Klima- und Umweltschutz eine Herzensangelegenheit: „Als Wintersportler merkt man ganz massiv die Auswirkungen des Klimawandels. Ich sehe in der Biogasnutzung eine große Chance, dem entgegenzuwirken – ganz besonders, wenn der Anbau der Energiepflanzen auch noch Artenvielfalt und Insektenschutz mit sich bringt.“

„Mit Biogas haben wir die Chance, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen“, resümiert der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide. Und er weiß, dass viele Betreiber von Biogasanlagen bereit sind, alternative Energiepflanzen anzubauen. Wichtig sei aber ein Ausgleich der finanziellen Nachteile, die der Anbau bunter Blumenwiesen für den Landwirt bedeuten. „Bei uns in Niedersachsen regelt seit diesem Sommer die Förderrichtlinie „Mehrjähriger Wildpflanzenanbau“ die finanzielle Unterstützung. Bis zu 500 Euro pro Hektar gibt es für den Anbau von Blühpflanzen. Das ist ein realistischer Ansatz und ein gutes Beispiel für andere Bundesländer“, sagt Seide. Und auch auf Bundesebene bestehe über eine geeignete Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik die Chance, den Ausbau alternativer Energiepflanzen anzureizen.

Weitere Informationen zur Aktionswoche Artenvielfalt finden sie hier und in den sozialen Medien unter dem Hashtag #blühendesLeben.

Im Rahmen der Aktionswoche Artenvielfalt sind bislang zwei von vier Kurzfilmen mit dem Hackl Schorsch erschienen: „Die Imkerin“ und „Der Jäger

 

 

Bunt statt grün Wildpflanzenevent

„Bunt statt grün“ – jetzt anmelden zum digitalen Wildpflanzenevent am 15.07.2021

Mehrjährige Wildpflanzenkulturen führen in der Biogaserzeugung derzeit eher noch ein Schattendasein. Dabei bietet dieses innovative Anbausystem, bestehend aus mindestens 25 verschiedenen Arten, wertvollen Lebensraum für Tiere und Insekten und kann einen wichtigen Beitrag zum Boden- und Grundwasserschutz leisten.

Die elobau Stiftung, die AG Wildpflanzenbiogas, der Landschaftserhaltungsverband Ravensburg und der Fachverband Biogas laden zu einer Onlineveranstaltung ein, um diesen ökologischen Beitrag zur Energiewende aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und haben für das 75-minütige Webinar spannende Gäste eingeladen:

Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands erneuerbare Energie e.V.
Georg Hackl, Olympiasieger im Rodeln und Biogasbotschafter
Werner Kuhn, Landwirt und Wildpflanzenexperte
Raimund Haser, MdL Baden-Württemberg und Sprecher des AK Umwelt, Klima und Landwirtschaft
Markus Frick, Biogaslandwirt und weitere mehr …
Moderation Peter Aulmann, elobau Stiftung

Hier gelangen Sie zu einer Videoaufzeichnung der Veranstaltung

Das live-Webinar findet am 15.7.21 um 19:30 Uhr statt.
Hier gehts zur kostenfreien Anmeldung:
https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_XS1ZvqkSRB-CXoDFrtuthg

Hier gelangen Sie zur Einladung des Wildpflanzenevents im PDF Format

 

Bunte Biomasse vor Ort erleben

Bis zum 15. Juli Anbau mehrjähriger Wildpflanzen in Niedersachsen beantragen

Der Anbau mehrjähriger Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion wird ab sofort in Niedersachen gefördert – so sieht es die nun veröffentlichte Richtlinie „Mehrjähriger Wildpflanzenanbau“ vor. Landwirte, die noch in diesem Jahr „Energie aus Wildpflanzen“ umsetzen und die Förderung in Anspruch nehmen wollen, müssen dies bis zum 15. Juli beantragen. Die Richtlinie ist ein wichtiger Teil bei der Umsetzung des „Niedersächsischen Weges„, der Landwirtschaft und Naturschutz wieder enger verknüpfen soll. Ermöglicht wurde sie maßgeblich durch das Engagement der Landesjägerschaft Niedersachsen und des 3N Kompetenzzentrums, die in den vergangenen Jahren zwei Pilotprojekte zu diesem Anbausystem umgesetzt hat.

Niedersachsen gewährt nach Maßgabe der neuen Richtlinie eine Förderung des Anbaus mehrjähriger Wildpflanzen in Höhe von 500 € pro Hektar und Jahr über einen Zeitraum von drei Jahren. Ziel der Zuwendung ist die Etablierung einer ökologisch hochwertigen Ergänzung zum Anbau von konventionellen Energiepflanzen. Denn die artenreichen Saatmischungen aus Wild- und Kulturarten besitzen gegenüber herkömmlichen Biomasse(mono)kulturen wie Mais zahlreiche Vorteile: Sie fördern die Artenvielfalt und schützen auch den Boden und das Grundwasser. Die Mischungen aus mindestens 15 verschiedenen Arten (hier finden Sie die zu verwendenden Pflanzenarten) werden als Direktsaat nach frühräumendem Getreide eingebracht und müssen einmal jährlich beerntet werden. Da die für nahezu alle Standorte geeignete Mischung aus ein- und mehrjährigen Arten von Jahr zu Jahr von alleine wieder austreibt, ist nach Etablierung keine erneute Bodenbearbeitung und Einsaat nötig. Dies fördert die Bodenfauna und den Humusaufbau.

Aufgrund der geringeren Methanerträge je Hektar benötigt „Energie aus Wildpflanzen“ bis auf weiteres eine finanzielle Förderung. Die Antragsstellung in Niedersachsen erfolgt im Rahmen der Richtlinie „Mehrjähriger Wildpflanzenanbau“ über die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (hier klicken). Ab 2023 könnte die Förderung dann deutschlandweit z.B. im Rahmen der Vertragsnaturschutzmaßnahmen aus der 2. Säule angeboten werden. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hat dafür bereits im Frühjahr einen Vorschlag für eine Förderrichtlinie veröffentlicht.

Die nun erfolgte Förderung in Niedersachsen ist das Ergebnis von landes- und deutschlandweit mehreren Pilotprojekten, die „Energie aus Wildpflanzen“ in den vergangenen Jahren getestet und weiterentwickelt haben. Die Landesjägerschaft Niedersachen hatte u.a. ein Projekt zum Monitoring der Nährstofffixierung durch mehrjährige Wildpflanzen umgesetzt. Im Rahmen des Projektes Bunte Biomasse – Ressource für Landwirtschaft und Artenvielfalt wird der Anbau von mehrjährigen Wildpflanzen allein in Niedersachsen auf über 100 Hektar und in Zusammenarbeit mit knapp 50 landwirtschaftlichen Betrieben durch eine individuelle Beratung und eine jährliche Ausgleichszahlung umgesetzt. Durch das Projekt können damit Landwirte auch außerhalb Niedersachsens die Wildpflanzenkulturen rentabel anbauen und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Energieerzeugung und dem Schutz der Umwelt leisten.

Wildpflanzenmischungen auf dem 14. Biogas-Innovationskongress

Am 23. und 24. Juni findet der 14. Biogas-Innovationskongress statt. Die Veranstaltung wird ausschließlich digital durchgeführt. Auf dem Kongress werden innovative Ansätze und Entwicklungen vorgestellt und diskutiert. Auch die mehrjährigen Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion werden eine Rolle spielen. Als Alternative zu herkömmlichen Biomassekulturen vereinen sie ordentliche Erträge mit zahlreichen ökologischen Vorteilen. So schützen die artenreichen Mischungen aus Wild- und Kulturpflanzen nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch Boden und Grundwasser.

Zur Eröffnung des Biogas-Innovationskongresses wird Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung das innovative Anbausystem der Bunten Biomasse vorstellen. Im Anschluss werden Johann Högemann und Josef Schröer von der Landesjägerschaft Niedersachsen und Carolin Brathe vom 3 N Kompetenzzentrum den Anbau mehrjähriger Wildpflanzen in Niedersachsen vorstellen.

Hier finden Sie weitere Informationen rund um den Kongress, sowie das Programm und die Anmeldung zur Teilnahme.

Biogas-Innovationskongress Wildpfanzen

Endlich: Politischer Rückenwind für „Energie aus Wildpflanzen“

Endlich: Politischer Rückenwind für „Energie aus Wildpflanzen“

In Deutschland wird auf rund einer Million Hektar Mais allein für die Verwertung in der Biogasanlage angebaut. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur tritt seit vielen Jahren dafür ein, durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen die Biomasseerzeugung enger mit den Zielen des Natur- und Artenschutzes zu verknüpfen. Doch um auf großer Fläche in der landwirtschaftlichen Praxis anzukommen, braucht es eine politische Förderung. Das fordert nun auch der CDU Bundesfachausschuss Umwelt und Landwirtschaft in seinem „Agrarprogramm 2021“: die Förderung „ökologisch wertvoller Pflanzen zur Biomasseproduktion“ etwa als Eco Scheme oder als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM) soll ermöglicht werden. Und Niedersachsen hat nun als erstes Bundesland beschlossen, dass die mehrjährigen Wildpflanzenkulturen für die Biomassenutzung bereits ab diesem Jahr gefördert werden sollen.

Zahlreiche Pilotprojekte widmen sich in Deutschland dem Anbau mehrjähriger, artenreicher Mischungen, deren Aufwuchs in der Biogasanlage verwertet wird. Denn die Wildpflanzenkulturen haben gegenüber herkömmlichen Biomassemonokulturen wie Mais zahlreiche ökologische Vorteile und können dabei helfen, dem Artenschwund in der Agrarlandschaft entgegen zu wirken. Aber Sie bieten nicht nur ganzjährig Lebensraum für Wildtiere und Insekten, sondern schützen den Boden auch vor Erosion, unterstützen den Humusaufbau und können große Mengen Stickstoff binden, was sie wiederum für den Gewässerschutz interessant macht. Gleichzeitig kommen die ökologisch wertvollen Kulturen aus bis zu 25 verschiedenen Wild- und Kulturpflanzen aber nicht an die Methanerträge von Mais heran. Daher werden die Landwirte in Pilotprojekten wie „Bunte Biomasse“ (www.BunteBiomasse.de) nicht nur beim Anbau beraten, sondern erhalten auch eine Ausgleichszahlung für das Erbringen von Gemeinwohlleistungen wie dem Erhalt der Artenvielfalt oder dem Boden- und Grundwasserschutz.

Mit den Vorschlägen im CDU-Agrarprogramm und der niedersächsischen Initiative zur Förderung des Anbausystems „Energie aus Wildpflanzen“ bewegt sich die Politik endlich in die richtige Richtung. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hatte erst vor wenigen Wochen einen konkreten Vorschlag zur Förderung der Wildpflanzen zum Beispiel als AUKM veröffentlicht. Nach Niedersachsen sollen nun nach Wunsch der Netzwerkpartner zahlreiche weitere Länder diesem Vorbild folgen.

Onlinetagung Mehrjährige Wildpflanzenkulturen Netzwerk Lebensraum Feldflur

Onlinetagung zu Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion – ein voller Erfolg

Am Mittwoch, dem 19.5.2021, veranstaltete das Netzwerk Lebensraum Feldflur eine Onlinetagung zum Thema „Mehrjährige Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion – Chancen und Herausforderungen“. Die artenreichen Wildpflanzenkulturen besitzen gegenüber herkömmlichen Biomassekulturen wie etwa Mais zahlreiche ökologische Vorteile (hier finden Sie eine Übersicht bisher erfolgter Begleituntersuchungen). Sie bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten, Vögel und andere Wildtiere, schützen Boden und Grundwasser und erhöhen den Erholungswert einer Region. Gleichzeitig stehen sie wirtschaftlich in direkter Konkurrenz zu über jahrzehntelang optimierten Biomassekulturen wie Mais.

Dr. Moritz von Cossel, der seit vielen Jahren aus Leidenschaft zu den mehrjährigen Wildpflanzenkulturen forscht, berichtete aus seinem Erfahrungsschatz aus zehn Jahren Forschung mit Biogas-Wildpflanzenmischungen an der Universität Hohenheim. Christian Kemnade, der für die Deutsche Wildtier Stiftung das Gemeinschaftsvorhaben „Bunte Biomasse“ koordiniert, teilte in seinem Vortrag praktische Einblicke in das Pilotprojekt. Im Anschluss an die beiden Vorträge gab es zahlreiche Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum. Mit rund 180 Teilnehmenden und einer regen Beteiligung war die Veranstaltung für die Organisatoren ein voller Erfolg.

Die beiden Vorträge der Tagung stehen hier zum Download zur Verfügung:

Präsentation von Dr. Moritz von Cossel: 10 Jahre Forschung mit Biogas Wildpflanzenmischungen

Präsentation von Christian Kemnade: Bunte Biomasse – Praktische Einblicke in das Pilotprojekt

Da die Wildpflanzenkulturen nicht an die Methanerträge herkömmlicher Biomassekulturen herankommen, benötigt das ökologisch hochwertige Anbausystem eine finanzielle Förderung, um in der landwirtschaftlichen Praxis ankommen zu können. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur, das von der Deutschen Wildtier Stiftung und seinen Partnern koordiniert wird, hat einen Formulierungsvorschlag zur Aufnahme von mehrjährigen Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion, zum Beispiel in die Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM), vorgelegt. Dieser Vorschlag wurde auch im Rahmen der gestrigen Veranstaltung vorgestellt. Durch seine Umsetzung könnten landwirtschaftliche Produktion und die Ziele des Arten- und Klimaschutzes auf ein und derselben Fläche effektiv verfolgt werden. Dabei sollen die Wildpflanzenkulturen nicht mit ungenutzten, mehrjährigen Blühflächen in Konkurrenz treten, deren ökologischer Nutzen naturgemäß noch größer ist. Durch den Nutzungsaspekt und die damit deutlich geringere notwendige Förderhöhe können die mehrjährigen Kulturen zur Biomasseproduktion jedoch auf deutlich größerer Fläche als vergleichbare Maßnahmen umgesetzt werden und einen Lebensraum für Wildtiere und Insekten bieten.

Bei Fragen oder Anmerkungen können Sie sich gerne per mail an C.Kemnade@DeWiSt.de wenden.

 

Energie aus Wildpflanzenkulturen

Einladung zur Onlinetagung – „Mehrjährige Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion – Chancen und Herausforderungen“

Die Verhandlungen rund um die Zukunft der Agrarpolitik laufen auf Hochtouren. Es benötigt innovative Anbausysteme, um den hohen Ansprüchen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft gerecht zu werden. Mehrjährige, artenreiche Wildpflanzenmischungen bieten die Möglichkeit, Biomasse und Biodiversität auf einer Fläche zu „produzieren“. In einer Onlinetagung wird über die Chancen und Herausforderungen diskutiert.

Mehrjährige, artenreiche Wildpflanzenkulturen besitzen gegenüber herkömmlichen Biomassekulturen zahlreiche ökologische Vorteile. Sie bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten, Vögel und andere Wildtiere, schützen Boden und Grundwasser und erhöhen den Erholungswert einer Region. Gleichzeitig stehen sie wirtschaftlich in direkter Konkurrenz zu über jahrzehntelang optimierten Biomassekulturen wie Mais. Um das innovative Anbausystem mehrjähriger Wildpflanzenmischungen in der landwirtschaftlichen Praxis zu etablieren, ist daher seine finanzielle Förderung bis auf weiteres unerlässlich. Das Netzwerk Lebensraum Feldflur, das von der Deutschen Wildtier Stiftung und seinen Partnern koordiniert wird, hat einen Formulierungsvorschlag zur Aufnahme von mehrjährigen Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion, zum Beispiel in die Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM), vorgelegt. Durch seine Umsetzung könnten landwirtschaftliche Produktion und die Ziele des Arten- und Klimaschutzes auf ein und derselben Fläche effektiv verfolgt werden

Am 19.5.2021 um 14.00 Uhr lädt das Netzwerk Lebensraum Feldflur zur Onlinetagung zum Thema „Mehrjährige Wildpflanzenkulturen für die Biomasseproduktion – Chancen und Herausforderungen“

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Bitte melden Sie sich bis zum 16.5.2021 unter https://www.deutschewildtierstiftung.de/registrierung  für die Veranstaltung an. Die Teilnahme ist kostenlos.

Programm:

14.00 Uhr – Einführung – Dr. Andreas Kinser, Deutsche Wildtier Stiftung

14.15 Uhr – „Erfahrungen aus zehn Jahren Forschung mit Biogas-Wildpflanzenmischungen“
Referent: Dr. Moritz von Cossel, Universität Hohenheim

15.00 Uhr – „Bunte Biomasse – praktische Einblicke in das Pilotprojekt“
Referent: Christian Kemnade, Deutsche Wildtier Stiftung

15.40 Uhr – Zusammenfassung

Im Anschluss an die Vorträge wird es Raum für Fragen und Diskussionen geben.

Netzwerk Lebensraum Feldflur schlägt Förderprogramm für Wildpflanzenkulturen vor

Die Verhandlungen zur Ausgestaltung der nächsten Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) laufen sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene auf Hochtouren. Das Netzwerk Lebensraum Feldlfur hat dies zum Anlass genommen, den Entwurf eines Förderprogrammes für mehrjährige Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion zu veröffentlichen. In dem Entwurf, der eine Förderung der artenreichen Bestände im Rahmen der Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM) vorsieht, werden konkrete Fördergegenstände und die Höhe ihrer Honorierung vorgeschlagen. Unter anderem schlägt das Netzwerk Lebensraum Feldflur eine Förderhöhe von bis zu 500 € pro Hektar und Jahr als Basisförderung und weitere optionale Maßnahmen wie z.B. einen Ernteverzicht auf 10 % der Antragsfläche vor.

Den detaillierten Vorschlag des Netzwerks Lebensraum Feldflur finden Sie hier als PDF zum Download.

Biogas kann Artenvielfalt – durch Wildpflanzenkulturen

Mehrjährige Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion bieten die große Chance, landwirtschaftliche Produktion mit den Zielen des Umwelt- und Klimaschutzes zu verbinden. Das Anbausystem bietet im Sommer wie im Winter Nahrung und Deckung für Säugetiere, Feldvögel und Wintergäste. Sein vielfältiges Blütenangebot und die lange Blütezeit verbessern die Nahrungssituation für eine Vielzahl von Insekten. Auf chemische Pflanzenschutzmittel kann weitestgehend verzichtet werden und ab dem 2. Standjahr findet keine mechanische Bodenbearbeitung mehr statt, wodurch Bodenbrüter und Jungtiere geschützt werden. Die ganzjährige Bewurzelung des Oberbodens verbessert die Humusbilanz, vermindert Erosion, erhält die Bodenfeuchte und beugt der Bodenverdichtung vor. Mehrjährige Wildpflanzenkulturen bieten ein hohes Potential zur Stickstoffbindung und tragen dadurch zum Gewässerschutz bei. Nicht zuletzt werten Blühmischungen das Landschaftsbild auf und erhöhen dadurch den Erholungswert einer Region.

Vom Pilotprojekt zum Mainstream

Aktuell laufen zahlreiche Pilotprojekte, um mehrjährige Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion in der landwirtschaftlichen Praxis zu verankern. Doch noch immer ist die Skepsis vieler Landwirte gegenüber dem erprobten Anbausystem groß. Ohne eine politische Förderung werden es die Wildpflanzenkulturen als ökologisch hochwertige Biomassekultur nicht in den landwirtschaftlichen Mainstream schaffen. Daher fordert das Netzwerk Lebensraum Feldflur die Bundesländer auf, bei der Programmierung ihrer Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum ab 2023 die Maßnahme „Mehrjährige Wildpflanzenkulturen zur Biomasseproduktion“ frühzeitig in ihre Planungen einzubeziehen. Durch den produktionsintegrierten Ansatz und die dadurch im Vergleich zu ungenutzten Blühflächen deutlich geringere Förderhöhe können durch diese Maßnahme die Ziele des Umwelt- und Klimaschutzes zukünftig auf großer Fläche verfolgt werden.

 

Biogas und Artenvielfalt: Förderung von Wildpflanzen als Eco Scheme

GAP Verhandlungen: Biogas bietet Chance für Artenvielfalt

Die Verhandlungen rund um die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) und der Ausgestaltung der Vorgaben auf nationaler Ebene laufen auf Hochtouren. Im Rahmen des Verbändebeteiligungsverfahrens des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verdeutlichte der Fachverband Biogas e.V. seine Forderung,  die Biogasproduktion müsse enger an den Natur- und Umweltschutz gekoppelt werden. Denn bei der energetischen Verwertung von Energiepflanzen in Biogasanlagen bietet sich die Chance, Ökologie und Ökonomie auf landwirtschaftlichen Flächen miteinander zu verbinden. Diese Chance müsse jetzt im Rahmen der Verhandlungen um die Gemeinsame Agrarpolitik ergriffen werden, mahnt der Fachverband Biogas e.V. „Deshalb müssen Energiepflanzen, die für mehr Artenvielfalt sorgen, bei den so genannten Öko-Regelungen dringend berücksichtig werden“, fordert Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer im Fachverband Biogas, und verweist auf zahlreiche Untersuchungen, die den positiven Effekt von bestimmten Energiepflanzen auf die Artenvielfalt belegen.

„Welche Energiepflanzen in Zukunft verstärkt angebaut werden, das entscheidet letztendlich auch die GAP“, erklärt Rauh. Vergoren werden könne fast jede Pflanze. Der Gasertrag sei allerdings sehr unterschiedlich: bei der besonders ergiebigen Energiepflanze Mais ist er etwa doppelt so hoch wie beispielsweise bei Wildpflanzenmischungen. Mit der gezielten Berücksichtigung von Wildpflanzen in den Öko-Regelungen könnte diese monetäre Differenz ausgeglichen und gleichzeitig ein Beitrag für den Umweltschutz geleistet werden. Er fordert, dass jetzt die richtigen Weichen gestellt werden, um sowohl der Artenvielfalt als auch der Biogasbranche und den Landwirten eine langfristige Perspektive zu geben. Denn obwohl die Öko Regelungen nur einjährig festgelegt werden, ist über wiederholte Beantragung auch eine Förderung mehrjähriger Maßnahmen, die eine besonders hohe ökologische Wirkung erzielen können, möglich.

Den kompletten Artikel von topagrarONLINE finden Sie hier.

Auch der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert eine sinnvolle Ausgestaltung der Eco Schemes, etwa durch die Förderung mehrjähriger Wildpflanzenmischungen für für die Biomasseproduktion.

Das Netzwerk Lebensraum Feldflur hatte bereits in der letzten Förderperiode einen Vorschlag zur Förderung der Wildpflanzen im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) erarbeitet und veröffentlicht. Nun ist die Politik gefragt, diesen Forderungen mit offenen Ohren entgegen zu treten.

Blüte der Wilden Malve (Malva sylvestris)

Wildpflanzensteckbriefe – Wilde Malve

Die Wilde Malve (Malva sylvestris) erfreut nicht nur Gartenbesitzer oder Parkbesucher als kultivierte Zierpflanze, sondern findet auch in Saatmischungen für die Biomasseproduktion Verwendung. Die artenreichen und mehrjährigen Mischungen enthalten in der Regel über 20 verschiedene Wild- und Kulturarten und bieten daher vielen Insekten und Wildtieren einen Lebensraum. Das Besondere: Die mehrjährige Kultur bildet daneben auch ordentlich Biomasse, die dann nach jährlicher Ernte in der Biogasanlage verwertet und zu klimafreundlicher Energie umgewandelt werden kann. So werden Biogas und Artenvielfalt quasi auf ein und derselben Fläche produziert. In der Rubrik „Pflanzensteckbriefe“ finden Sie weitere Informationen rund um die Wilde Malve, etwa warum Sie im Volksmund auch Käsepappel oder Schwellkraut genannt wird.